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2023 · Zeng et al. — Wirkung einer Wasserstoff-Sauerstoff-Therapie bei Patienten mit gewöhnlichem COVID-19-Verlauf: eine Propensity-Score-gematchte Fall-Kontroll-Studie

Originaltitel: Effect of hydrogen/oxygen therapy for ordinary COVID-19 patients: a propensity-score matched case-control study.

Kurzfassung

In einem rückblickenden Vergleich von 33 Patienten mit gewöhnlichem COVID-19-Verlauf, die ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch einatmeten, und 55 statistisch passend ausgewählten Patienten mit Sauerstoff lag die mediane Krankenhausdauer bei 12 gegenüber 13 Tagen (Hazard Ratio 1,91, p < 0,05). Die Entlassungsraten waren in der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe nach 21 und 28 Tagen höher, der Unterschied nach 14 Tagen (69,7 % gegenüber 56,4 %) war aber nicht statistisch signifikant. Die Sauerstoffsättigung nach 5 Behandlungstagen betrug 98,5 % gegenüber 97,8 % (p < 0,001). Die Behandlung wurde nicht zufällig zugeteilt, daher können nicht gemessene Unterschiede zwischen den Gruppen einen Teil der Ergebnisse erklären. (BMC Infectious Diseases, 2023.)

Klassifiziert als Pilot / Beobachtung-Studie mit Inhalation. Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Die Wasserstoff-Sauerstoff-Therapie soll bei Atemwegserkrankungen Atemnot lindern und das Fortschreiten der Krankheit bremsen, und die Autoren fragten, ob sie den Krankenhausaufenthalt bei gewöhnlichem COVID-19-Verlauf verkürzt; laut Volltext sind damit leichte Symptome mit typischen Lungenveränderungen, aber ohne schwere Lungenentzündung gemeint. Die retrospektive Studie stützte sich auf 180 stationäre Patienten aus 3 Zentren in China. Ein Propensity-Score-Matching im Verhältnis 1:2 wählte 33 Patienten mit Wasserstoff-Sauerstoff und 55 Patienten mit Sauerstoff aus. Laut Volltext wurden die Patienten zwischen Dezember 2019 und März 2020 behandelt, und das Matching berücksichtigte nur Geschlecht, Alter und die Tage vom Symptombeginn bis zur Aufnahme. Laut Volltext erhielt die Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe das Gemisch (Volumenverhältnis 2:1) über eine Nasenmaske mit 3,0 l/min für mindestens 6 Stunden täglich an mehr als 7 aufeinanderfolgenden Tagen, die Sauerstoffgruppe Sauerstoff mit weniger als 3,0 l/min über eine nach klinischem Bedarf festgelegte Dauer. Beide Gruppen erhielten die Standardbehandlung. Primärer Endpunkt war die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Sekundäre Endpunkte waren die Entlassungsraten und die Sauerstoffsättigung (SpO2).

Wichtige Zitate

  1. „Die Ergebnisse bestätigten eine signifikant kürzere mediane Krankenhausdauer (HR = 1,91; 95-%-KI 1,25–2,92; p < 0,05) in der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe (12 Tage; 95-%-KI 9–15) gegenüber der Sauerstoffgruppe (13 Tage; 95-%-KI 11–20).“ Original (EN): „Findings confirmed a significantly lower median length of hospitalization (HR = 1.91; 95% CIs, 1.25-2.92; p < 0.05) in the hydrogen/oxygen group (12 days; 95% CI, 9-15) versus the oxygen group (13 days; 95% CI, 11-20).“ — der primäre Endpunkt: ein Tag Unterschied in der medianen Krankenhausdauer
  2. „Höhere Entlassungsraten wurden in der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe nach 21 Tagen (93,9 % gegenüber 74,5 %; p < 0,05) und 28 Tagen (97,0 % gegenüber 85,5 %; p < 0,05) im Vergleich zur Sauerstoffgruppe beobachtet, nicht jedoch nach 14 Tagen (69,7 % gegenüber 56,4 %).“ Original (EN): „The higher hospital discharge rates were observed in the hydrogen/oxygen group at 21 days (93.9% vs. 74.5%; p < 0.05) and 28 days (97.0% vs. 85.5%; p < 0.05) compared with the oxygen group, except for 14 days (69.7% vs. 56.4%).“ — ein sekundärer Endpunkt; der Unterschied nach 14 Tagen war nicht statistisch signifikant
  3. „Diese Studie deutet darauf hin, dass Wasserstoff-Sauerstoff ein nützliches therapeutisches medizinisches Gas sein könnte, um die SpO2 zu erhöhen und die Krankenhausdauer bei Patienten mit gewöhnlichem COVID-19-Verlauf zu verkürzen.“ Original (EN): „This study indicated that hydrogen/oxygen might be a useful therapeutic medical gas to enhance SpO2 and shorten length of hospitalization in patients with ordinary COVID-19.“ — das Fazit der Autoren, mit 'könnte' formuliert

Unsere Einordnung

Die Studie vergleicht Patienten, die zu Beginn der Pandemie in der Routineversorgung unterschiedlich behandelt wurden. Die mediane Krankenhausdauer war mit Wasserstoff-Sauerstoff um einen Tag kürzer (12 gegenüber 13 Tagen), und die Entlassungsrate nach 14 Tagen unterschied sich nicht signifikant. Das Propensity-Score-Matching machte die Gruppen bei Geschlecht, Alter und Zeit seit Symptombeginn vergleichbar, kann aber nicht gemessene Faktoren nicht ausgleichen, etwa die Gründe, aus denen ein Patient die eine oder die andere Behandlung erhielt. Laut Volltext unterschieden sich die Gruppen auch in Flussrate und Behandlungsdauer, sodass zwei Behandlungsschemata verglichen werden und nicht Wasserstoff allein; zudem lag die SpO2 schon zu Beginn bei 98,1 % gegenüber 97,4 % (p = 0,056). Die Subgruppenanalyse verglich jüngere mit älteren Patienten und Patienten mit und ohne Begleiterkrankungen nur innerhalb der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe und kann daher nicht zeigen, wer stärker von Wasserstoff profitiert. Einschränkungen: retrospektives Design, keine Randomisierung, Verblindung nicht berichtet, 33 und 55 gematchte Patienten, 3 Zentren in einem Land und laut Volltext unvollständige SpO2-Daten.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

HINTERGRUND: Die Wasserstoff-Sauerstoff-Therapie trägt dazu bei, Atemnot und das Fortschreiten der Krankheit bei Patienten mit Atemwegserkrankungen zu lindern. Wir stellten deshalb die Hypothese auf, dass eine Wasserstoff-Sauerstoff-Therapie bei Patienten mit gewöhnlichem Verlauf der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) die Krankenhausdauer verkürzen und die Entlassungsraten erhöhen könnte. METHODEN: Diese retrospektive, Propensity-Score-gematchte (PSM) Fall-Kontroll-Studie umfasste 180 Patienten aus 3 Zentren, die wegen COVID-19 stationär behandelt wurden. Nach Zuordnung im Verhältnis 1:2 per PSM wurden 33 Patienten mit Wasserstoff-Sauerstoff-Therapie und 55 Patienten mit Sauerstofftherapie in die Studie aufgenommen. Primärer Endpunkt war die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Sekundäre Endpunkte waren die Entlassungsraten und die Sauerstoffsättigung (SpO2). Vitalzeichen und Atemwegssymptome wurden ebenfalls beobachtet. ERGEBNISSE: Die Ergebnisse bestätigten eine signifikant kürzere mediane Krankenhausdauer (HR = 1,91; 95-%-KI 1,25–2,92; p < 0,05) in der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe (12 Tage; 95-%-KI 9–15) gegenüber der Sauerstoffgruppe (13 Tage; 95-%-KI 11–20). Höhere Entlassungsraten wurden in der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe nach 21 Tagen (93,9 % gegenüber 74,5 %; p < 0,05) und 28 Tagen (97,0 % gegenüber 85,5 %; p < 0,05) im Vergleich zur Sauerstoffgruppe beobachtet, nicht jedoch nach 14 Tagen (69,7 % gegenüber 56,4 %). Nach 5 Behandlungstagen wiesen die Patienten der Wasserstoff-Sauerstoff-Gruppe eine höhere SpO2 auf als die der Sauerstoffgruppe (98,5 % ± 0,56 % gegenüber 97,8 % ± 1,0 %; p < 0,001). In der Subgruppenanalyse der Patienten mit Wasserstoff-Sauerstoff-Therapie hatten Patienten unter 55 Jahren (p = 0,028) und Patienten ohne Begleiterkrankungen (p = 0,002) einen kürzeren Krankenhausaufenthalt (Median 10 Tage). SCHLUSSFOLGERUNG: Diese Studie deutet darauf hin, dass Wasserstoff-Sauerstoff ein nützliches therapeutisches medizinisches Gas sein könnte, um die SpO2 zu erhöhen und die Krankenhausdauer bei Patienten mit gewöhnlichem COVID-19-Verlauf zu verkürzen. Jüngere Patienten oder Patienten ohne Begleiterkrankungen profitieren wahrscheinlich stärker von der Wasserstoff-Sauerstoff-Therapie.
Original-Abstract (englisch)
BACKGROUND: Hydrogen/oxygen therapy contribute to ameliorate dyspnea and disease progression in patients with respiratory diseases. Therefore, we hypothesized that hydrogen/oxygen therapy for ordinary coronavirus disease 2019 (COVID-19) patients might reduce the length of hospitalization and increase hospital discharge rates. METHODS: This retrospective, propensity-score matched (PSM) case-control study included 180 patients hospitalized with COVID-19 from 3 centers. After assigned in 1:2 ratios by PSM, 33 patients received hydrogen/oxygen therapy and 55 patients received oxygen therapy included in this study. Primary endpoint was the length of hospitalization. Secondary endpoints were hospital discharge rates and oxygen saturation (SpO2). Vital signs and respiratory symptoms were also observed. RESULTS: Findings confirmed a significantly lower median length of hospitalization (HR = 1.91; 95% CIs, 1.25-2.92; p < 0.05) in the hydrogen/oxygen group (12 days; 95% CI, 9-15) versus the oxygen group (13 days; 95% CI, 11-20). The higher hospital discharge rates were observed in the hydrogen/oxygen group at 21 days (93.9% vs. 74.5%; p < 0.05) and 28 days (97.0% vs. 85.5%; p < 0.05) compared with the oxygen group, except for 14 days (69.7% vs. 56.4%). After 5-day therapy, patients in hydrogen/oxygen group exhibited a higher level of SpO2 compared with that in the oxygen group (98.5%±0.56% vs. 97.8%±1.0%; p < 0.001). In subgroup analysis of patients received hydrogen/oxygen, patients aged < 55 years (p = 0.028) and without comorbidities (p = 0.002) exhibited a shorter hospitalization (median 10 days). CONCLUSION: This study indicated that hydrogen/oxygen might be a useful therapeutic medical gas to enhance SpO2 and shorten length of hospitalization in patients with ordinary COVID-19. Younger patients or those without comorbidities are likely to benefit more from hydrogen/oxygen therapy.

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

Screenshot — PubMed 37386364

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