2024 The World Allergy Organization journal Pilot / Beobachtung H₂-Therapie am Menschen Inhalation AllergieAtemwege / COVID
2024 · Wang et al. — Wasserstoffinhalation: ein neuer Ansatz zur Linderung der Symptome einer allergischen Rhinitis durch Beeinflussung der Nasenflora
Kurzfassung
Bei Patienten mit allergischer Rhinitis besserten sich Symptomwerte (VAS und TNSS), Eosinophilenzahl im Blut und IgE nach einer Behandlungsphase mit Wasserstoffinhalation signifikant, in einem Vorher-nachher-Vergleich ohne unbehandelte oder Placebogruppe. Während und nach der Inhalation traten keine unerwünschten Reaktionen auf. Laut Volltext atmeten 30 Patienten 4 Wochen lang täglich 3 Stunden ein Gas mit 66,6 % Wasserstoff ein, und der Fragebogen zur Lebensqualität (RQLQ) änderte sich nicht signifikant (p = 0,692), ein Ergebnis, das im Abstract fehlt. Die Nasenbakterien veränderten sich nach der Inhalation, doch ohne Kontrollgruppe lassen sich weder diese Veränderungen noch die Symptomänderungen dem Wasserstoff zuschreiben. (World Allergy Organization Journal, 2024.)
Kommentar
Allergische Rhinitis beruht auf einer Th2-Immunantwort der Nasenschleimhaut, und die Autoren fragten, ob Wasserstoff über eine Veränderung der Nasenbakterien darauf wirkt. Die im chinesischen Register für klinische Studien eingetragene Studie untersuchte Patienten vor und nach einer Wasserstoffinhalation. Laut Volltext wurden 30 Erwachsene mit persistierender allergischer Rhinitis (6 Männer, 24 Frauen, 18 bis 47 Jahre) zwischen April 2022 und Juli 2023 an einer rhinologischen Ambulanz behandelt; 30 gesunde Personen dienten nur als Referenz für die Nasenbakterien und inhalierten keinen Wasserstoff. Laut Volltext atmeten die Patienten 4 Wochen lang täglich 3 Stunden ein Gas mit 66,6 % Wasserstoff aus einem Wasserstoff-Sauerstoff-Gerät ein. Gemessen wurden Symptomwerte (VAS und TNSS), der RQLQ, Eosinophilenzahl und IgE im Blut sowie die Nasenbakterien mittels 16S-rRNA-Gensequenzierung. Die Allergensensibilisierung wurde mit dem Haut-Pricktest bestimmt. Das Abstract nennt keinen primären Endpunkt.
Wichtige Zitate
- „Während und nach der Wasserstoffinhalation traten bei den AR-Patienten keine unerwünschten Reaktionen auf; das Sicherheitsprofil war günstig, und VAS, TNSS, EOS und IgE besserten sich signifikant (p < 0,05).“ Original (EN): „There were no adverse reactions during and after hydrogen inhalation in AR patients, with a favorable safety profile and significant improvements in VAS, TNSS, EOS, and IgE (P < 0.05).“ — das wichtigste klinische Ergebnis, aus einem Vorher-nachher-Vergleich derselben Patienten
- „Die 16S-rRNA-Gensequenzierung der Nasenflora zeigte in der Nasenhöhle von AR-Patienten eine höhere Häufigkeit von Ruminococcus und Erysipelotrichaceae als bei gesunden Personen, und ihre Häufigkeit ließ sich nach der H2-Inhalation verringern.“ Original (EN): „Cavity flora 16S rRNA gene sequencing showed higher abundance of Ruminococcus and Erysipelotrichaceae flora in the nasal cavity of AR patients than in normal subjects, and their abundance could be down-regulated after H2 inhalation.“ — die Befunde zu den Nasenbakterien, verglichen mit Gesunden und mit dem Ausgangswert
- „H2 könnte die Symptome von AR-Patienten verbessern, indem es die Verteilung der Nasenflora verändert. Studien mit größeren Fallzahlen sind nötig, um diese Hypothese weiter zu prüfen.“ Original (EN): „H2 may improve symptoms in AR patients by modulating the distribution of nasal flora. Trials with larger sample sizes are required to further test this hypothesis.“ — die Autoren nennen den Bakterienmechanismus eine Hypothese, die größere Studien braucht
Unsere Einordnung
Diese einarmige Studie verglich die Patienten mit ihren eigenen Werten vor der Behandlung. Symptomwerte (VAS und TNSS), Eosinophilenzahl und IgE lagen nach der Inhalationsphase niedriger als davor. Ohne Patienten, die keinen Wasserstoff oder ein Placebogas erhielten, kann die Studie nicht zeigen, dass Wasserstoff diese Veränderungen verursacht hat. Symptome können sich mit der Zeit aus anderen Gründen ändern, und Patienten, die von ihrer Behandlung wissen, berichten womöglich weniger Beschwerden. Die Gesunden dienen nur als Referenz für die Nasenbakterien und inhalierten keinen Wasserstoff. Laut Volltext änderte sich der Wert zur Lebensqualität (RQLQ) nicht signifikant (p = 0,692). Einschränkungen: eine Ambulanz, 30 Patienten, keine Randomisierung, kein Placebo, keine berichtete Verblindung, kein genannter primärer Endpunkt und keine Effektgrößen im Abstract. Viele Bakteriengruppen wurden verglichen, was das Risiko falsch positiver Befunde erhöht. Der Zusammenhang zwischen Nasenbakterien und Symptomen ist eine Korrelation und belegt keinen Mechanismus.
Studiendesign
- Typ: einarmige Vorher-nachher-Studie an einer Ambulanz, nicht randomisiert, kein Placebo, Verblindung nicht berichtet; gesunde Referenzgruppe nur für die Nasenbakterien · n: 30 Patienten mit allergischer Rhinitis und 30 Gesunde (laut Volltext) · H₂-Gabe: Gas mit 66,6 % Wasserstoff eingeatmet, 3 Stunden täglich über 4 Wochen (laut Volltext)
- Vergleich: dieselben Patienten vor der Inhalation; Gesunde ohne Inhalation als Referenz für die Nasenbakterien
- Ergebnis: VAS, TNSS, Eosinophilenzahl und IgE gebessert (p < 0,05; laut Volltext p = 0,005, 0,003, 0,002 und 0,013). RQLQ laut Volltext nicht signifikant verändert (p = 0,692). Keine unerwünschten Reaktionen. Ruminococcus und Erysipelotrichaceae nach der Inhalation seltener, Blautia_faecis häufiger
Abstract (deutsche Übersetzung)
HINTERGRUND: Die allergische Rhinitis (AR) ist eine allergische Reaktion, die von der Th2-Immunantwort in der Nasenschleimhaut bestimmt wird. Bakterielle Infektionen beeinflussen das Gleichgewicht zwischen Th1- und Th2-Immunantwort, und das Ausmaß der Exposition gegenüber der Umweltflora hängt eng mit der Entstehung einer AR zusammen. Wasserstoff (H2) ist ein medizinisches Molekül mit entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften. Ziel dieser Studie war es, den möglichen Wirkmechanismus von H2 bei AR über seine Fähigkeit zu untersuchen, das Gleichgewicht der Nasenflora zu regulieren. METHODEN: Eosinophilenzahl im Serum (EOS), Konzentration von Immunglobulin E (IgE), visuelle Analogskala (VAS), Gesamtscore der Nasensymptome (TNSS) und der Fragebogen zur Lebensqualität bei Rhinokonjunktivitis (RQLQ) wurden bei AR-Patienten vor und nach der Wasserstoffinhalation erhoben. Die Allergensensibilisierung wurde mit dem Haut-Pricktest (SPT) bestimmt. Zusammensetzung und relative Häufigkeit der Nasenflora wurden vor und nach der Wasserstoffinhalation sowie bei gesunden Personen mittels 16S-rRNA-Gensequenzierung untersucht. ERGEBNISSE: Während und nach der Wasserstoffinhalation traten bei den AR-Patienten keine unerwünschten Reaktionen auf; das Sicherheitsprofil war günstig, und VAS, TNSS, EOS und IgE besserten sich signifikant (p < 0,05). Die 16S-rRNA-Gensequenzierung der Nasenflora zeigte in der Nasenhöhle von AR-Patienten eine höhere Häufigkeit von Ruminococcus und Erysipelotrichaceae als bei gesunden Personen, und ihre Häufigkeit ließ sich nach der H2-Inhalation verringern. H2 erhöhte die Häufigkeit von Blautia_faecis signifikant, die negativ mit VAS, TNSS, EOS und IgE korrelierte. SCHLUSSFOLGERUNGEN: H2 könnte die Symptome von AR-Patienten verbessern, indem es die Verteilung der Nasenflora verändert. Studien mit größeren Fallzahlen sind nötig, um diese Hypothese weiter zu prüfen. STUDIENREGISTRIERUNG: Diese Studie wurde im chinesischen Register für klinische Studien eingetragen (Registriernummer ChiCTR2200062253).
Original-Abstract (englisch)
BACKGROUND: Allergic rhinitis (AR) is an allergic reaction dominated by the Th2 immune response in the nasal mucosa. The bacterial infection process affects the balance between Th1 and Th2 immune responses, and the level of exposure to environmental flora is closely related to the development of AR. Hydrogen (H2) is a medical molecule with anti-inflammatory and antioxidant properties. This study aimed to explore the possible mechanism of action of H2 on AR through its ability to regulate the balance of nasal flora. METHODS: Serum eosinophil count (EOS), immunoglobulin E (IgE) concentration, visual analog scale (VAS), total nasal symptom score (TNSS), and rhinoconjunctivitis quality of life questionnaire (RQLQ) were observed before and after hydrogen inhalation in AR patients. Skin prick test (SPT) was used to determine allergen sensitisation. Community composition and relative abundance of nasal flora were examined before and after hydrogen inhalation and in normal subjects using 16S rRNA gene sequencing. RESULTS: There were no adverse reactions during and after hydrogen inhalation in AR patients, with a favorable safety profile and significant improvements in VAS, TNSS, EOS, and IgE (P < 0.05). Cavity flora 16S rRNA gene sequencing showed higher abundance of Ruminococcus and Erysipelotrichaceae flora in the nasal cavity of AR patients than in normal subjects, and their abundance could be down-regulated after H2 inhalation. H2 significantly increased the abundance of Blautia_faecis and negatively correlated with VAS, TNSS, EOS, and IgE. CONCLUSIONS: H2 may improve symptoms in AR patients by modulating the distribution of nasal flora. Trials with larger sample sizes are required to further test this hypothesis. TRIAL REGISTRATION: This trial was registered in the China Clinical Trial Registry (Registration No. ChiCTR2200062253).
Quelle & Links
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