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2022 · Kong et al. — Wirkung einer Wasserstoff-Inhalationstherapie auf den Hörverlust von Patienten mit Nasopharynxkarzinom nach Strahlentherapie

Originaltitel: Effect of Hydrogen Inhalation Therapy on Hearing Loss of Patients With Nasopharyngeal Carcinoma After Radiotherapy.

Kurzfassung

Bei 17 Langzeitüberlebenden eines Nasopharynxkarzinoms mit Hörverlust nach Strahlentherapie lagen nach 4 Wochen Wasserstoffinhalation die Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung sowie der Wert für eine Funktionsstörung der Ohrtrompete niedriger als vor der Behandlung (p = 0,0027, 0,0404 und 0,0293). Die Studie hatte keine Kontrollgruppe. Luft-Knochen-Abstand, Otoskopie- und Tympanogramm-Werte änderten sich nicht signifikant, und bei den 8 Patienten, die 12 Wochen inhalierten (laut Volltext), zeigten die Hörschwellen über die Messungen vor der Behandlung, nach 4 und nach 12 Wochen keinen statistisch signifikanten Unterschied (p = 0,6755 und p = 0,7712). Unerwünschte Reaktionen wurden nicht beobachtet. (Frontiers in Medicine, 2022.)

Klassifiziert als Pilot / Beobachtung-Studie mit Inhalation. Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Die Studie fragte, ob eine Wasserstoffinhalation den Hörverlust bei Langzeitüberlebenden eines Nasopharynxkarzinoms verbessert, die allein mit Strahlentherapie oder mit kombinierter Radiochemotherapie behandelt worden waren. Geprüft wurde Wasserstoff zur Hör-Rehabilitation, nicht als Krebsbehandlung. Es handelte sich um eine prospektive Vorher-nachher-Studie ohne Kontrollgruppe. Laut Volltext wurden von Mai 2019 bis Oktober 2020 34 Patienten aufgenommen, 17 (34 Ohren) schlossen die Studie ab. Die übrigen wurden ausgeschlossen, weil sie nicht täglich inhalierten oder Untersuchungen versäumten. Die Strahlentherapie lag im Median 228 Monate zurück. Laut Volltext atmeten die Teilnehmer über Nasenschläuche ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch mit 2,0 l/min Wasserstoff und 1,0 l/min Sauerstoff ein, 3 bis 6 Stunden täglich über 4 bis 12 Wochen; 8 von ihnen inhalierten 12 Wochen lang. Erfasst wurden der Wert für eine Funktionsstörung der Ohrtrompete, die Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung im Reintonaudiogramm, der Luft-Knochen-Abstand, Otoskopie- und Tympanogramm-Werte sowie unerwünschte Reaktionen, jeweils vor der Behandlung und nach 4 und 12 Wochen. Das Abstract nennt keinen primären Endpunkt.

Wichtige Zitate

  1. „Nach 4 Wochen Wasserstoffinhalation waren der Wert für eine Funktionsstörung der Ohrtrompete sowie die Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung signifikant gesunken, mit p-Werten von 0,0293, 0,0027 bzw. 0,0404.“ Original (EN): „After 4 weeks of hydrogen inhalation, the score of eustachian tube dysfunction, air conduction and bone conduction hearing thresholds were significantly reduced, P values were 0.0293, 0.0027, 0.0404, respectively.“ — das Hauptergebnis nach vier Wochen, verglichen mit den Werten vor der Behandlung
  2. „In der 12. Woche waren die Mittelwerte der Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung am niedrigsten, nämlich 66,88 ± 20,88 dB bzw. 40,94 ± 18,93 dB, es gab aber keinen signifikanten Unterschied der Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung zwischen allen Gruppen (p = 0,6755, p = 0,7712).“ Original (EN): „At the 12th week, the mean values of air and bone hearing thresholds were the lowest, which were 66.88 ± 20.88 dB and 40.94 ± 18.93 dB, respectively, but there was no significant difference in air and bone hearing thresholds among all groups (P = 0.6755, P = 0.7712).“ — bei den acht Patienten mit zwölf Wochen Behandlung (laut Volltext) nicht signifikant
  3. „Dies ist die erste prospektive Studie zur Wirkung einer Wasserstoffinhalation auf die Hörverbesserung bei Patienten mit Schwerhörigkeit nach Strahlen- oder Chemotherapie eines Nasopharynxkarzinoms; sie deutet darauf hin, dass eine kontinuierliche Wasserstoffinhalation eine alternative Rehabilitationstherapie für diese Patienten sein könnte.“ Original (EN): „This is the first prospective study on the effect of hydrogen inhalation on hearing improvement in patients with deafness after radiotherapy/chemotherapy for nasopharyngeal carcinoma, suggesting that continuous hydrogen inhalation may be an alternative rehabilitation therapy for these patients.“ — das Fazit der Autoren aus einer Studie ohne Kontrollgruppe

Unsere Einordnung

Die Studie zeigt, wie sich die Hörwerte bei 17 Patienten veränderten, während sie Wasserstoff inhalierten. Ohne Kontrollgruppe kann sie eine Wirkung des Wasserstoffs nicht von zufälligen Schwankungen oder anderen Einflüssen im Zeitverlauf trennen. Einschränkungen: keine Kontrollgruppe, keine Randomisierung, Verblindung nicht berichtet und eine kleine Stichprobe. Laut Volltext wurden nur 17 von 34 aufgenommenen Patienten ausgewertet, und nur 8 inhalierten die vollen 12 Wochen. Das Abstract nennt keinen primären Endpunkt, und es wurden mehrere Endpunkte getestet. Drei von sechs Messgrößen änderten sich bei allen 17 Patienten nach 4 Wochen signifikant, in der bis zur 12. Woche verfolgten Untergruppe von 8 Patienten (laut Volltext) zeigten die Hörschwellen über die drei Messzeitpunkte aber keinen statistisch signifikanten Unterschied. Dass bei 17 Patienten keine unerwünschten Reaktionen auftraten, sagt wenig über seltene Nebenwirkungen. In dieser kleinen, unkontrollierten Stichprobe deuten die Ergebnisse auf eine kurzfristige Veränderung der Hörschwellen hin, die eine kontrollierte Studie bestätigen müsste.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

ZIEL: Bewertung der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit einer Wasserstoffinhalation zur Verbesserung des Hörverlusts bei Langzeitüberlebenden eines Nasopharynxkarzinoms nach Strahlentherapie. METHODEN: Bei Patienten mit Schwerhörigkeit nach alleiniger Strahlentherapie oder kombinierter Strahlen- und Chemotherapie eines Nasopharynxkarzinoms wurden prospektiv der Wert für eine Funktionsstörung der Ohrtrompete, die Reinton-Hörschwelle für Luftleitung, die Hörschwelle für Knochenleitung sowie die Werte von Tympanogramm und Otoskopie beobachtet. Zur Auswertung der Daten vor und nach der Behandlung wurden der gepaarte t-Test und die einfaktorielle Varianzanalyse verwendet. ERGEBNISSE: Insgesamt wurden 17 Patienten beobachtet. Die Strahlentherapie lag im Median 228 Monate zurück, die Diagnose der Schwerhörigkeit im Median 92 Monate. Nach 4 Wochen Wasserstoffinhalation waren der Wert für eine Funktionsstörung der Ohrtrompete sowie die Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung signifikant gesunken, mit p-Werten von 0,0293, 0,0027 bzw. 0,0404. Der mittlere Luft-Knochen-Abstand sowie die Werte von Otoendoskopie und Tympanogramm nahmen ebenfalls ab, die Unterschiede waren aber nicht signifikant (p = 0,2079, p = 0,0536, p = 0,1056). Patienten mit alleiniger Strahlentherapie und mit gleichzeitiger Radiochemotherapie hatten nach der Wasserstoffaufnahme eine signifikant niedrigere Hörschwelle für Luftleitung (p = 0,0142, p = 0,0495). Die Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung vor sowie 4 und 12 Wochen nach Beginn der Wasserstoffinhalation zeigten einen abnehmenden Trend. Vor der Wasserstoffinhalation lagen die Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung bei 74,69 ± 27,03 dB bzw. 45,70 ± 21,58 dB. In der 12. Woche waren die Mittelwerte der Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung am niedrigsten, nämlich 66,88 ± 20,88 dB bzw. 40,94 ± 18,93 dB, es gab aber keinen signifikanten Unterschied der Hörschwellen für Luft- und Knochenleitung zwischen allen Gruppen (p = 0,6755, p = 0,7712). Nach der Wasserstoffinhalation wurden keine unerwünschten Reaktionen wie Nasenbluten, Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Ohrenschmerzen oder allergische Reaktionen beobachtet. SCHLUSSFOLGERUNG: Dies ist die erste prospektive Studie zur Wirkung einer Wasserstoffinhalation auf die Hörverbesserung bei Patienten mit Schwerhörigkeit nach Strahlen- oder Chemotherapie eines Nasopharynxkarzinoms; sie deutet darauf hin, dass eine kontinuierliche Wasserstoffinhalation eine alternative Rehabilitationstherapie für diese Patienten sein könnte.
Original-Abstract (englisch)
OBJECTIVE: To evaluate the clinical efficacy and safety of hydrogen inhalation in improving hearing loss in patients with long-term survival of nasopharyngeal carcinoma after radiotherapy. METHODS: The eustachian tube dysfunction score, pure tone air conduction threshold, bone conduction threshold, the score of tympanogram and otoscope were prospectively observed in patients with deafness after radiotherapy only or combined radiotherapy and chemotherapy for nasopharyngeal carcinoma. Paired t test and one-way analysis of variance were used to analyze the data before and after treatment. RESULTS: A total of 17 patients were observed. The median time from radiotherapy to now was 228 months, and the median time from the diagnose of deafness to now was 92 months. After 4 weeks of hydrogen inhalation, the score of eustachian tube dysfunction, air conduction and bone conduction hearing thresholds were significantly reduced, P values were 0.0293, 0.0027, 0.0404, respectively. The mean air-bone gap, the score of otoendoscopy and tympanogram were also decreased, but the differences were not significant (P = 0.2079, P = 0.0536, P = 0.1056). Patients with radiotherapy alone and concurrent chemo-radiotherapy had significantly lower air conduction hearing threshold after hydrogen absorption (P = 0.0142, P = 0.0495). The results of air and bone hearing thresholds before, 4 and 12 weeks after hydrogen inhalation showed a descending trend. The air and bone hearing thresholds before hydrogen inhalation were 74.69 ± 27.03 dB and 45.70 ± 21.58 dB, respectively. At the 12th week, the mean values of air and bone hearing thresholds were the lowest, which were 66.88 ± 20.88 dB and 40.94 ± 18.93 dB, respectively, but there was no significant difference in air and bone hearing thresholds among all groups (P = 0.6755, P = 0.7712). After hydrogen inhalation treatment, no adverse reactions such as nosebleed, chest pain, dyspnea, nausea, vomiting, dizziness, earache and allergic reaction were observed. CONCLUSION: This is the first prospective study on the effect of hydrogen inhalation on hearing improvement in patients with deafness after radiotherapy/chemotherapy for nasopharyngeal carcinoma, suggesting that continuous hydrogen inhalation may be an alternative rehabilitation therapy for these patients.

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

Screenshot — PubMed 35433731

Diese Seite spiegelt den veröffentlichten Abstract (© Autoren / Verlag) zur Referenz und Zitation. Die kanonische Quelle ist der oben verlinkte PubMed-Eintrag. Dies ist keine medizinische Beratung.