2024 · Wu et al. — Wirkung einer perioperativen Wasserstoffinhalation auf Hirnödem und Prognose bei Patienten mit Gliom: monozentrische, randomisierte kontrollierte Studie
Kurzfassung
Bei Patienten mit Gliomoperation folgten auf eine perioperative Wasserstoffinhalation ein kleineres Hirnödemvolumen vor der Entlassung und eine höhere Rückbildungsrate des Ödems als nach Sauerstoffinhalation (beide p < 0,05). Drei Tage nach der Operation hatte die Wasserstoffgruppe außerdem eine längere Gesamtschlafdauer, eine bessere Schlafeffizienz, eine kürzere Einschlaflatenz und niedrigere Werte auf der numerischen Ratingskala (NRS). Laut Volltext wurden 75 von 89 randomisierten Patienten ausgewertet. Daten zur Prognose fehlen trotz des Titels. (Frontiers in Neurology, 2024.)
Kommentar
Das Hirnödem ist eine lebensbedrohliche Komplikation nach einer Gliomoperation, und laut den Autoren gibt es dafür keine nichtinvasiven, spezifischen Behandlungen. Sie führten eine monozentrische, randomisierte kontrollierte Studie durch (ChiCTR-2300074362). Die Wasserstoffgruppe (H) atmete Wasserstoff ein, in der Diskussion als Wasserstoff-/Sauerstoffinhalation beschrieben. Die Kontrollgruppe (C) atmete Sauerstoff ein. Der Abstract lässt die wichtigsten Angaben zum Design weg; der Volltext (PMC11294077) nennt sie: 89 Patienten wurden randomisiert, 75 ausgewertet (38 Wasserstoff, 37 Kontrolle). Die Wasserstoffgruppe atmete von der Aufnahme bis zur Entlassung täglich mehr als 2 Stunden 66,7 % Wasserstoff mit 33,3 % Sauerstoff über eine Nasenbrille ein, die Kontrollgruppe erhielt 33,3 % Sauerstoff. Primärer Endpunkt war die Veränderung des Hirnödemvolumens im CT, ausgewertet von zwei Radiologen, die die Gruppenzuteilung nicht kannten. Eine Verblindung der Patienten wird nicht beschrieben. Berichtet werden das Hirnödemvolumen vor der Entlassung, die Rückbildungsrate des Ödems sowie 3 Tage nach der Operation Gesamtschlafdauer, Schlafeffizienz, Einschlaflatenz und NRS-Werte. Was die NRS gemessen hat, sagt der Abstract nicht. Die Autoren wollten auch den Mechanismus aufklären, Ergebnisse dazu werden aber nicht berichtet.
Wichtige Zitate
- „Das Volumen des Hirnödems vor der Entlassung war in der H-Gruppe signifikant geringer (p < 0,05).“ Original (EN): „The volume of brain edema before discharge was significantly lower in the H group (p < 0.05).“ — das Hauptergebnis zum Ödemvolumen, nur als Schwellenwert des p-Werts angegeben
- „Außerdem hatte die H-Gruppe 3 Tage nach der Operation eine längere Gesamtschlafdauer, eine verbesserte Schlafeffizienz, eine kürzere Einschlaflatenz und niedrigere Werte auf der numerischen Ratingskala (NRS) (p < 0,05).“ Original (EN): „Furthermore, 3 days after surgery, the H group had longer total sleep duration, improved sleep efficiency, shorter sleep latency, and lower numerical rating scale (NRS) scores (p < 0.05).“ — sekundäre Befunde zu Schlaf und NRS-Werten drei Tage nach der Operation
- „Zusammenfassend verringerte die Wasserstoff-/Sauerstoffinhalation das postoperative Hirnödem bei Gliompatienten wirksam.“ Original (EN): „In conclusion, hydrogen/oxygen inhalation effectively reduced postoperative brain edema in glioma patients.“ — das Fazit der Autoren; der Abstract nennt weder Fallzahl noch Effektgrößen
Unsere Einordnung
Es handelt sich um eine randomisierte Studie an einem einzigen Zentrum. Auf die Wasserstoffinhalation folgten ein kleineres postoperatives Hirnödem und eine schnellere Rückbildung des Ödems als nach Sauerstoffinhalation. Wie weit das trägt, lässt sich schwer beurteilen, weil der Abstract die Größe der Unterschiede nicht nennt. Einschränkungen: Fallzahl, Dosis und Schema fehlen im Abstract (der Volltext nennt 75 ausgewertete Patienten und täglich mehr als 2 Stunden 66,7 % H₂). Verblindet waren nur die CT-Auswerter, nicht die Patienten. Die Ergebnisse sind nur als p < 0,05 angegeben, ohne Effektgrößen oder Konfidenzintervalle. Das Ödemvolumen ist eine Zwischengröße, und die im Titel genannte Prognose wird im Abstract nicht berichtet. Schlaf- und NRS-Werte können von Erwartungen beeinflusst sein, wenn die Patienten ihre Gruppe kannten. Unerwünschte Ereignisse nennt der Abstract nicht. Ein einzelnes Zentrum schränkt die Übertragbarkeit der Ergebnisse ein.
Studiendesign
- Typ: monozentrische, randomisierte kontrollierte Studie, Auswerter verblindet (laut Volltext) · n: 89 randomisiert, 75 ausgewertet (38 H₂, 37 Kontrolle; laut Volltext) · H₂-Gabe: 66,7 % H₂ mit 33,3 % O₂ über Nasenbrille eingeatmet, täglich mehr als 2 Stunden von der Aufnahme bis zur Entlassung (laut Volltext)
- Vergleich: 33,3 % Sauerstoff über Nasenbrille, gleiche Dauer
- Ergebnis: primärer Endpunkt (laut Volltext): Veränderung des Hirnödemvolumens. Hirnödemvolumen vor der Entlassung geringer und Rückbildungsrate des Ödems höher in der Wasserstoffgruppe (beide p < 0,05). Drei Tage nach der Operation: längere Gesamtschlafdauer, bessere Schlafeffizienz, kürzere Einschlaflatenz, niedrigere NRS-Werte (p < 0,05). Keine Daten zur Prognose im Abstract
Abstract (deutsche Übersetzung)
EINLEITUNG: Das Hirnödem ist eine lebensbedrohliche Komplikation nach einer Gliomoperation. Es gibt keine nichtinvasiven und spezifischen Behandlungsmethoden für das Hirnödem. Wasserstoff ist ein entzündungshemmendes und antioxidatives Gas, das bei mehreren Krankheiten, insbesondere im Nervensystem, therapeutische und vorbeugende Wirkungen gezeigt hat. Ziel dieser Studie war es, die therapeutische Wirkung einer Wasserstoffgabe auf das Hirnödem nach Gliomoperation zu bestimmen und ihren Mechanismus aufzuklären. METHODEN: Es wurde eine monozentrische, randomisierte kontrollierte klinische Studie zur Wasserstoffinhalation durchgeführt (China Clinical Trial Registry [ChiCTR-2300074362]). Bei Teilnehmern der Wasserstoffgruppe (H), die Wasserstoff einatmeten, bildete sich das postoperative Hirnödem schneller zurück als bei Teilnehmern der Kontrollgruppe (C), die Sauerstoff einatmeten. ERGEBNISSE: Das Volumen des Hirnödems vor der Entlassung war in der H-Gruppe signifikant geringer (p < 0,05). Zudem war die Rückbildungsrate des Hirnödems in der H-Gruppe höher als in der C-Gruppe, was statistisch signifikant war (p < 0,05). Außerdem hatte die H-Gruppe 3 Tage nach der Operation eine längere Gesamtschlafdauer, eine verbesserte Schlafeffizienz, eine kürzere Einschlaflatenz und niedrigere Werte auf der numerischen Ratingskala (NRS) (p < 0,05). DISKUSSION: Zusammenfassend verringerte die Wasserstoff-/Sauerstoffinhalation das postoperative Hirnödem bei Gliompatienten wirksam. Weitere Forschung ist nötig, um die zugrunde liegenden Mechanismen der therapeutischen Wirkungen von Wasserstoff zu verstehen. Wasserstoff dürfte ein neuer Ansatzpunkt für künftige ergänzende Therapien des Hirnödems werden.
Original-Abstract (englisch)
INTRODUCTION: Brain edema is a life-threatening complication that occurs after glioma surgery. There are no noninvasive and specific treatment methods for brain edema. Hydrogen is an anti-inflammatory and antioxidant gas that has demonstrated therapeutic and preventative effects on several diseases, particularly in the nervous system. This study aimed to determine the therapeutic effects of hydrogen administration on brain edema following glioma surgery and elucidate its mechanism. METHODS: A single-center, randomized controlled clinical trial of hydrogen inhalation was conducted (China Clinical Trial Registry [ChiCTR-2300074362]). Participants in hydrogen (H) group that inhaled hydrogen experienced quicker alleviation of postoperative brain edema compared with participants in control (C) group that inhaled oxygen. RESULTS: The volume of brain edema before discharge was significantly lower in the H group (p < 0.05). Additionally, the regression rate of brain edema was higher in the H group than in the C group, which was statistically significant (p < 0.05). Furthermore, 3 days after surgery, the H group had longer total sleep duration, improved sleep efficiency, shorter sleep latency, and lower numerical rating scale (NRS) scores (p < 0.05). DISCUSSION: In conclusion, hydrogen/oxygen inhalation effectively reduced postoperative brain edema in glioma patients. Further research is necessary to understand the underlying mechanisms of hydrogen's therapeutic effects. Hydrogen is expected to become a new target for future adjuvant therapy for brain edema.
Quelle & Links
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