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2022 · Okada et al. — Doppelblinde, randomisierte kontrollierte klinische Studie zur Wasserstoff-Inhalationstherapie bei idiopathischem plötzlichem sensorineuralem Hörverlust

Originaltitel: A double-blinded, randomized controlled clinical trial of hydrogen inhalation therapy for idiopathic sudden sensorineural hearing loss.

Kurzfassung

Bei 65 Patienten mit plötzlichem sensorineuralem Hörverlust, alle mit Glukokortikoiden und Prostaglandin E1 behandelt, ergab Wasserstoffinhalation gegenüber Luft keinen signifikanten Unterschied der Hörschwelle nach 3 Monaten (39,0 gegenüber 49,5 dB), aber eine stärkere Verbesserung (32,7 gegenüber 24,2 dB, p = 0,048). Beide Messgrößen bildeten den primären Endpunkt, und das zweite Ergebnis liegt nahe an der üblichen Signifikanzschwelle. Der Abstract nennt kein Ergebnis für den sekundären Endpunkt, den Anteil der Patienten mit vollständiger Erholung oder deutlicher Besserung, und gibt weder Wasserstoffkonzentration noch Anwendungsschema an. Nebenwirkungen der Wasserstoffinhalation wurden nicht berichtet. (Frontiers in Neuroscience, 2022.)

Klassifiziert als RCT-Studie mit Inhalation. Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Wasserstoff verringerte in Tierstudien Hörverluste, laut den Autoren hatte ihn aber noch keine Studie am Menschen geprüft. Diese doppelblinde, randomisierte kontrollierte Studie lief von Juni 2019 bis März 2022 an sechs Kliniken und war im Japan Registry of Clinical Trials registriert (jRCTs06119004). Patienten mit idiopathischem plötzlichem sensorineuralem Hörverlust (ISSNHL) atmeten entweder Wasserstoff ein (H₂-Gruppe) oder Luft als Placebo (Kontrollgruppe), jeweils kombiniert mit systemischen Glukokortikoiden und Prostaglandin E1. Von den 65 eingeschlossenen Patienten waren 31 in der H₂-Gruppe und 34 in der Kontrollgruppe. Primärer Endpunkt waren die Hörschwelle und ihre Veränderung 3 Monate nach der Therapie. Zu den sekundären Endpunkten gehörte der Anteil der Patienten mit guter Prognose, definiert als vollständige Erholung oder deutliche Besserung. Der Abstract nennt weder die Wasserstoffkonzentration noch die tägliche Inhalationsdauer oder die Zahl der Behandlungstage.

Wichtige Zitate

  1. „Die Hörschwelle 3 Monate nach der Behandlung unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant; sie betrug 39,0 Dezibel (dB) (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 28,7–49,3) in der H2-Gruppe und 49,5 dB (95-%-KI: 40,3–58,7) in der Kontrollgruppe.“ Original (EN): „The hearing threshold 3 months after treatment was not significantly different between the groups; 39.0 decibels (dB) (95% confidence interval [CI]: 28.7-49.3) and 49.5 dB (95% CI: 40.3-58.7) in the H2 and control groups, respectively.“ — erster Teil des primären Endpunkts: kein signifikanter Unterschied bei der Hörschwelle
  2. „Die Veränderung der Hörschwelle 3 Monate nach der Behandlung betrug dagegen 32,7 dB (95-%-KI: 24,2–41,3) in der H2-Gruppe und 24,2 dB (95-%-KI: 18,1–30,3) in der Kontrollgruppe. Die Veränderung der Hörschwelle war folglich in der H2-Gruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe (p = 0,048).“ Original (EN): „In contrast, the changes in hearing threshold 3 months after treatment was 32.7 dB (95% CI: 24.2-41.3) and 24.2 dB (95% CI: 18.1-30.3) in the H2 and control groups, respectively. Consequently, the changes in hearing threshold were significantly better in the H2 group than in the control group (P = 0.048).“ — zweiter Teil des primären Endpunkts: stärkere Verbesserung, p-Wert nahe an der Schwelle
  3. „Dies ist die erste Studie, die die Wirksamkeit von H2 bei der Behandlung des ISSNHL am Menschen untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine H2-Therapie bei der Behandlung des ISSNHL wirksam sein könnte.“ Original (EN): „This is the first study to investigate the efficacy of H2 for the treatment of ISSNHL in humans. The results suggest that H2 therapy may be effective for ISSNHL treatment.“ — das Fazit der Autoren, als Hinweis formuliert

Unsere Einordnung

Es handelt sich um eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie an sechs Kliniken. Der primäre Endpunkt ergab ein gemischtes Bild: Die Hörschwelle nach 3 Monaten unterschied sich nicht signifikant, die Verbesserung der Hörschwelle war mit Wasserstoff aber größer (p = 0,048). In dieser Stichprobe deutet das auf einen möglichen Zusatznutzen hin, belegt ihn aber nicht. Einschränkungen: 65 Patienten sind eine kleine Stichprobe. Der primäre Endpunkt umfasste zwei Messgrößen, nur eine davon war signifikant, mit einem p-Wert nahe an der Schwelle. Der Abstract nennt keine Ausgangswerte der Hörschwelle, daher ist unklar, wie weit Unterschiede zu Beginn zur größeren Veränderung beitragen. Das Ergebnis des sekundären Endpunkts (gute Prognose) fehlt. Wasserstoffdosis und Anwendungsschema werden nicht beschrieben. Alle Patienten erhielten zusätzlich Glukokortikoide und Prostaglandin E1, die Studie prüft Wasserstoff also nur als Zusatzbehandlung.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

HINTERGRUND: In Tierstudien wurde berichtet, dass Wasserstoff (H2) Hörverluste verschiedener Ursachen wirksam verringert. Bisher hat jedoch keine Studie die Wirksamkeit von H2 bei der Behandlung von Hörverlust beim Menschen untersucht. Daher untersuchten wir, ob H2 bei der Behandlung des idiopathischen plötzlichen sensorineuralen Hörverlusts (ISSNHL) wirksam ist. MATERIAL UND METHODEN: Wir führten zwischen Juni 2019 und März 2022 an sechs Kliniken eine doppelblinde, randomisierte kontrollierte Studie durch. Studienprotokoll und Registrierung wurden im Japan Registry of Clinical Trials veröffentlicht (jRCT, Nr. jRCTs06119004). Patienten mit ISSNHL wurden zufällig zugeteilt und erhielten entweder H2 (H2-Gruppe) oder Luft als Placebo (Kontrollgruppe) per Inhalation, kombiniert mit systemisch verabreichten Glukokortikoiden und Prostaglandin E1. Primärer Endpunkt waren die Hörschwelle und die Veränderung der Hörschwelle 3 Monate nach der Therapie. Zu den sekundären Endpunkten gehörte dagegen der Anteil der Patienten mit guter Prognose (vollständige Erholung oder deutliche Besserung). ERGEBNISSE: In diese Studie wurden 65 Patienten mit ISSNHL eingeschlossen (31 in der H2-Gruppe, 34 in der Kontrollgruppe). Die Hörschwelle 3 Monate nach der Behandlung unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant; sie betrug 39,0 Dezibel (dB) (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 28,7–49,3) in der H2-Gruppe und 49,5 dB (95-%-KI: 40,3–58,7) in der Kontrollgruppe. Die Veränderung der Hörschwelle 3 Monate nach der Behandlung betrug dagegen 32,7 dB (95-%-KI: 24,2–41,3) in der H2-Gruppe und 24,2 dB (95-%-KI: 18,1–30,3) in der Kontrollgruppe. Die Veränderung der Hörschwelle war folglich in der H2-Gruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe (p = 0,048). Nebenwirkungen durch die Inhalation von H2-Gas wurden jedoch nicht berichtet. SCHLUSSFOLGERUNG: Dies ist die erste Studie, die die Wirksamkeit von H2 bei der Behandlung des ISSNHL am Menschen untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine H2-Therapie bei der Behandlung des ISSNHL wirksam sein könnte. KLINISCHE STUDIENREGISTRIERUNG: [https://jrct.niph.go.jp/re/reports/detail/10442], Kennung [jRCTs06119004].
Original-Abstract (englisch)
BACKGROUND: Hydrogen (H2) has been reported to be effective in reducing hearing loss due to several causes in animal studies. However, no study has examined the effectiveness of H2 in treating hearing loss in humans. Thus, we investigated whether H2 is effective for the treatment of idiopathic sudden sensorineural hearing loss (ISSNHL). MATERIALS AND METHODS: We conducted a double-blind randomized controlled trial at six hospitals between June 2019 and March 2022. The study protocol and trial registration have been published in the Japan Registry of Clinical Trials (jRCT, No. jRCTs06119004). We randomly assigned patients with ISSNHL to receive either H2 (H2 group) or air as a placebo (control group) through inhalation combined with the administration of systemic glucocorticoids and prostaglandin E1. The primary outcome was the hearing threshold and changes in hearing threshold 3 months after therapy. In contrast, the secondary outcomes included the proportion of patients with a good prognosis (complete recovery or marked improvement). RESULTS: Sixty-five patients with ISSNHL (31 and 34 in the H2 and control groups, respectively) were included in this study. The hearing threshold 3 months after treatment was not significantly different between the groups; 39.0 decibels (dB) (95% confidence interval [CI]: 28.7-49.3) and 49.5 dB (95% CI: 40.3-58.7) in the H2 and control groups, respectively. In contrast, the changes in hearing threshold 3 months after treatment was 32.7 dB (95% CI: 24.2-41.3) and 24.2 dB (95% CI: 18.1-30.3) in the H2 and control groups, respectively. Consequently, the changes in hearing threshold were significantly better in the H2 group than in the control group (P = 0.048). However, no adverse effects due to the inhalation of H2 gas have been reported. CONCLUSION: This is the first study to investigate the efficacy of H2 for the treatment of ISSNHL in humans. The results suggest that H2 therapy may be effective for ISSNHL treatment. CLINICAL TRIAL REGISTRATION: [https://jrct.niph.go.jp/re/reports/detail/10442], identifier [jRCTs06119004].

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

Screenshot — PubMed 36507329

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