2018 Antioxidants (Basel, Switzerland) RCT H₂-Therapie am Menschen Bad / topisch Sport & BelastungImmunsystem / Entzündung
2018 · Kawamura et al. — Beteiligung von Dynamik und Funktion der Neutrophilen an belastungsbedingten Muskelschäden und verzögertem Muskelkater: Wirkung eines Wasserstoffbads
Kurzfassung
Bei neun gesunden jungen Männern zeigte ein tägliches Wasserstoffbad über eine Woche nach einem Bergablauf gegenüber einem Placebobad keine Wirkung auf Muskelkater, Zahl und Funktion der Neutrophilen, Muskelschäden oder Entzündungsmarker. Der Hauptbefund betraf die Belastung selbst: IL-6 im Plasma nach dem Lauf hing mit der Neutrophilenzahl, dem Muskelkater und der Aktivität der Kreatinkinase zusammen. Laut Volltext war die Crossover-Studie randomisiert und einfach verblindet, und die Belastung fiel geringer aus als von den Autoren erwartet. (Antioxidants, 2018.)
Kommentar
Die Studie untersuchte, wie Neutrophile an belastungsbedingten Muskelschäden und verzögertem Muskelkater beteiligt sind und ob ein Wasserstoffbad diese Vorgänge beeinflusst. Laut Volltext war die Wirkung des Bads das sekundäre Ziel. Neun gesunde, aktive junge Männer absolvierten im Crossover-Design einen Durchgang mit Wasserstoffbad und einen mit Placebobad. Laut Volltext war die Studie randomisiert, placebokontrolliert und einfach verblindet; zehn Männer nahmen teil, einer wurde von der Auswertung ausgeschlossen. Jeder Durchgang begann mit 30 Minuten Bergablauf bei -8 % Gefälle mit einer Geschwindigkeit, die 75 bis 85 % der maximalen Sauerstoffaufnahme entsprach. Danach folgten eine Woche lang Bäder von 20 Minuten täglich. Laut Volltext enthielt das Wasserstoffbad 2,5 g Magnesiumhydrid in 200 l heißem Wasser, das Placebobad 5,5 g Magnesiumhydroxid. Eine Wasserstoffkonzentration wird nicht angegeben. Erfasst wurden Muskelkater auf einer visuellen Analogskala, Leukozytenzahlen, Dynamik und Funktion der Neutrophilen sowie Marker für Muskelschäden und Entzündung.
Wichtige Zitate
- „Das H₂-Bad zeigte dagegen keine Wirkungen.“ Original (EN): „Conversely, there were no effects of H₂ bath.“ — der Nullbefund für das Wasserstoffbad, ohne Einschränkung formuliert
- „Die Konzentration von Interleukin (IL)-6 im Plasma korrelierte nach dem Bergablauf jeweils signifikant mit der Zahl der Neutrophilen im Blut, der VAS und der Aktivität der Kreatinkinase im Serum.“ Original (EN): „Plasma interleukin (IL)-6 concentration was significantly correlated with peripheral neutrophil count, VAS, and serum creatine kinase activity, respectively, after downhill running.“ — der Hauptbefund, der die Reaktion auf die Belastung betrifft, nicht den Wasserstoff
- „Es ist nicht wahrscheinlich, dass ein H₂-Bad gegen den auf Neutrophile ausgerichteten Entzündungsprozess nach einem Bergablauf wirksam ist.“ Original (EN): „it is not likely that H₂ bath is effective for the inflammatory process that was centered on neutrophils after downhill running.“ — das Fazit der Autoren zum Wasserstoffbad
Unsere Einordnung
Durch das Crossover-Design diente jeder Mann als seine eigene Kontrolle. Das Wasserstoffbad zeigte keine Wirkung auf Muskelkater, Neutrophile, Muskelschäden oder Entzündungsmarker. Die Zusammenhänge zwischen IL-6, Neutrophilen und Muskelkater beschreiben die Reaktion auf die Belastung, nicht eine Wirkung des Wasserstoffs. Einschränkungen: nur neun ausgewertete Teilnehmer, alle gesunde junge Männer; kleine Effekte könnten übersehen worden sein, und die Ergebnisse lassen sich nicht auf Frauen, ältere Menschen oder Patienten übertragen. Das Abstract erwähnt weder Randomisierung noch Verblindung. Laut Volltext war die Studie randomisiert und einfach verblindet. Eine Wasserstoffkonzentration im Bad wird nicht angegeben, und laut Volltext wurden die Bäder ab dem zweiten Tag zu Hause genommen. Die Autoren schreiben im Volltext außerdem, dass die Belastung geringer war als erwartet (56,0 % und 56,7 % der maximalen Sauerstoffaufnahme) und als Reiz zu schwach gewesen sein könnte. In diesen Grenzen fand die Studie keinen Hinweis, dass ein Wasserstoffbad die auf Neutrophile ausgerichtete Entzündung nach einem Bergablauf verändert.
Studiendesign
- Typ: placebokontrollierte Crossover-Studie, laut Volltext randomisiert und einfach verblindet · n: neun gesunde junge Männer ausgewertet (laut Volltext 10 aufgenommen, 1 ausgeschlossen) · H₂-Gabe: Wasserstoff-Vollbad, 20 Minuten täglich über eine Woche nach einem Bergablauf, laut Volltext 2,5 g Magnesiumhydrid in 200 l Wasser, Wasserstoffkonzentration nicht angegeben
- Vergleich: Placebobad, laut Volltext 5,5 g Magnesiumhydroxid, gleicher Ablauf, mindestens eine Woche Abstand zwischen den Durchgängen
- Ergebnis: keine Wirkung des Wasserstoffbads auf Muskelkater, Leukozytenzahlen, Dynamik und Funktion der Neutrophilen, Muskelschäden oder Entzündungsmarker (keine Zahlen zum Badvergleich im Abstract). Nach dem Bergablauf korrelierte IL-6 im Plasma mit Neutrophilenzahl, Muskelkater und Kreatinkinase-Aktivität, die Neutrophilenzahl mit dem Myoglobin im Serum
Abstract (deutsche Übersetzung)
Ziel dieser Studie war es, die Beteiligung von Dynamik und Funktion der Neutrophilen an belastungsbedingten Muskelschäden (EIMD) und verzögertem Muskelkater (DOMS) sowie die Wirkung einer Aufnahme von molekularem Wasserstoff (H₂) auf diese Parameter zu untersuchen. Neun gesunde und aktive junge Männer absolvierten im Crossover-Design einen Durchgang mit H₂-Bad und einen mit Placebobad. Sie liefen 30 Minuten bergab (-8 % Gefälle) mit einer Geschwindigkeit, die 75 bis 85 % der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO₂peak) entsprach. Anschließend badeten sie eine Woche lang wiederholt 20 Minuten pro Tag. Gemessen wurden der Grad des Muskelkaters (visuelle Analogskala: VAS), die Leukozytenzahlen im Blut, Dynamik und Funktion der Neutrophilen sowie Marker für Muskelschäden und Entzündung. Die Konzentration von Interleukin (IL)-6 im Plasma korrelierte nach dem Bergablauf jeweils signifikant mit der Zahl der Neutrophilen im Blut, der VAS und der Aktivität der Kreatinkinase im Serum. Auch die Zahl der Neutrophilen im Blut und die Myoglobinkonzentration im Serum korrelierten signifikant. Das H₂-Bad zeigte dagegen keine Wirkungen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass IL-6 an der Mobilisierung von Neutrophilen ins Blut und an den nachfolgenden Muskelschäden und dem Muskelkater nach einem Bergablauf beteiligt sein könnte; es ist jedoch nicht wahrscheinlich, dass ein H₂-Bad gegen den auf Neutrophile ausgerichteten Entzündungsprozess nach einem Bergablauf wirksam ist.
Original-Abstract (englisch)
The purpose of this study was to investigate the involvement of neutrophil dynamics and function in exercise-induced muscle damage (EIMD) and delayed-onset muscle soreness (DOMS), and the effect of molecular hydrogen (H₂) intake on these parameters. Nine healthy and active young men performed H₂ and placebo bath trial in a crossover design. They carried out downhill running (-8% slope) for 30 min at a speed corresponding to 75~85% of peak oxygen uptake (VO₂peak). Subsequently, they repeated bathing for 20 min per day for one week. Degree of muscle soreness (visual analogue scale: VAS), peripheral leukocyte counts, neutrophil dynamics and function, muscle damage, and inflammation markers were measured. Plasma interleukin (IL)-6 concentration was significantly correlated with peripheral neutrophil count, VAS, and serum creatine kinase activity, respectively, after downhill running. Peripheral neutrophil count and serum myoglobin concentration were also significantly correlated. Conversely, there were no effects of H₂ bath. These results suggest that IL-6 may be involved in the mobilization of neutrophils into the peripheral blood and subsequent EIMD and DOMS after downhill running; however, it is not likely that H₂ bath is effective for the inflammatory process that was centered on neutrophils after downhill running.
Quelle & Links
Screenshot der PubMed-Seite
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