2014 · Ostojic et al. — Wirksamkeit von oralem und topischem Wasserstoff bei sportbedingten Weichteilverletzungen.
Kurzfassung
Bei männlichen Profisportlern mit akuten Weichteilverletzungen beschleunigte die Ergänzung mit oralen Wasserstoff-Tabletten (2 g/Tag) plus topischen wasserstoffreichen Packungen die Wiederherstellung des Gelenkbewegungsumfangs und reduzierte die Plasmaviskosität im Vergleich zur Standardbehandlung allein. Diese einblinde Pilot-RCT (n=36) legt nahe, dass H₂ ein nützliches Zusatzmittel im Sportrehabilitationsmanagement sein kann. (Postgraduate Medicine, 2014.)
Kommentar
Weichteilverletzungen — Verstauchungen, Zerrungen, Prellungen — sind die häufigsten Verletzungen im Profisport. Die Standardbehandlung (RICE-Protokoll + Physiotherapie) wirkt, aber die Erholungszeit ist im Leistungssport enorm wichtig. Diese Pilotstudie von Ostojic testet, ob die Zugabe von H₂ — oral über Tabletten oder topisch über wasserstoffreiche Packungen — die Genesung beschleunigen kann. Das Drei-Arm-Design (Kontrolle / orales H₂ / oral + topisches H₂) ist eine Stärke und ermöglicht eine Dosis-Wirkungs-Abschätzung. Die Hauptergebnisse — schnellere Rückkehr zum normalen Bewegungsumfang für Beugung und Streckung sowie eine signifikante Reduktion der Plasmaviskosität — sind klinisch relevant für die Sportmedizin. Allerdings sind das Einblinddesign (Sportler kannten ihre Gruppe), die kleine Kohorte von nur 36 Athleten auf drei Arme aufgeteilt und die Verwendung der Plasmaviskosität als primärer Biomarker nennenswerte Einschränkungen. Der registrierte Studienstatus (ClinicalTrials.gov NCT01759498) und die Profisportler-Population verleihen der Arbeit dennoch Glaubwürdigkeit.
Wichtige Zitate
- „Es wurde festgestellt, dass die orale und topische Wasserstoffintervention die Abnahme der Plasmaviskosität im Vergleich zur Kontrollgruppe verstärkte (P = 0,04).“ Original (EN): „Oral and topical hydrogen intervention was found to augment plasma viscosity decrease as compared with the control group (P = 0.04).“ — H₂ verbesserte einen wichtigen Blutfluss-Marker
- „Die orale und topische Wasserstoffintervention führte zu einer schnelleren Rückkehr zum normalen Gelenkbewegungsumfang für Beugung und Streckung des verletzten Gliedmaßes im Vergleich zur Kontrollintervention (P < 0,05).“ Original (EN): „oral and topical hydrogen intervention resulted in a faster return to normal joint range of motion for both flexion and extension of the injured limb as compared with the control intervention (P < 0.05).“ — der klinisch relevanteste Befund: schnellere funktionelle Genesung
- „Diese vorläufigen Ergebnisse stützen die Hypothese, dass die Ergänzung traditioneller Behandlungsprotokolle mit Wasserstoff potenziell wirksam bei der Behandlung von Weichteilverletzungen bei männlichen Profisportlern ist.“ Original (EN): „These preliminary results support the hypothesis that the addition of hydrogen to traditional treatment protocols is potentially effective in the treatment of soft tissue injuries in male professional athletes.“ — vorsichtiges Fazit der Autoren — Pilotstudie, nicht abschließend
Unsere Einordnung
Eine vielversprechende Pilotstudie mit registriertem Protokoll und einer klinisch relevanten Population. Die positiven Ergebnisse für den Bewegungsumfang sind bemerkenswert, müssen aber vorsichtig interpretiert werden: Einblinddesign (Patienten kannten ihre Gruppe), nur n=12 pro Arm, ausschließlich männliche Profisportler (begrenzte Übertragbarkeit auf Freizeitsportler oder Frauen) und kein Langzeit-Follow-up über 14 Tage hinaus. Plasmaviskosität ist zwar signifikant, aber kein Standardendpunkt in der Rehabilitation. Die Studie ist am besten als hypothesengenerierend zu werten und rechtfertigt eine ordentlich gepowerte, doppelblinde RCT.
Studiendesign
- Typ: randomisierte, einblinde 3-Arm-Pilot-RCT · n: 36 männliche Profisportler (akute Weichteilverletzung) · H₂-Gabe: orale Wasserstoff-Tabletten 2 g/Tag ± topische wasserstoffreiche Packungen 6×/Tag für 20 Min., über 14 Tage
- Vergleich: Standardbehandlungsprotokoll allein (Kontrollgruppe)
- Ergebnis: oral + topische H₂-Gruppe zeigte signifikant schnellere Rückkehr zum normalen Bewegungsumfang (Beugung + Streckung, P<0,05) und stärkere Plasmaviskositätsreduktion (P=0,04) vs. Kontrolle
Abstract (deutsche Übersetzung)
HINTERGRUND: Da die Wasserstofftherapie bei der Behandlung von Entzündungen, Ischämie-Reperfusionsschäden und oxidativem Stress beim Menschen als vorteilhaft befunden wurde, scheint es sinnvoll, die Auswirkungen von exogen verabreichtem Wasserstoff als Element im unmittelbaren Management sportbedingter Weichteilverletzungen zu untersuchen. Das Hauptziel dieser Pilotstudie war es, die Auswirkungen einer 2-wöchigen Wasserstoffgabe auf biochemische Entzündungsmarker und die funktionelle Erholung bei männlichen Profisportlern nach akuter Weichteilverletzung zu untersuchen. METHODE: In der Saison 2013 (März bis Mai) wurden 36 professionelle Athleten als Teilnehmer rekrutiert und innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Verletzung von einem zertifizierten Sportmediziner untersucht. Die Teilnehmer wurden in einem Einblinddesign zufällig drei Gruppen zugewiesen. Die Kontrollgruppe erhielt ein traditionelles Behandlungsprotokoll für Weichteilverletzungen. Die erste experimentelle Gruppe folgte denselben Verfahren wie die Kontrollgruppe, erhielt aber zusätzlich orale Wasserstoff-Tabletten (2 g pro Tag). Die zweite experimentelle Gruppe folgte ebenfalls den Kontrollverfahren, erhielt zusätzlich sowohl orale Wasserstoff-Tabletten (2 g pro Tag) als auch topische wasserstoffreiche Packungen (6-mal täglich für 20 Minuten). Die Teilnehmer wurden zum Zeitpunkt der Verletzungsmeldung sowie 7 und 14 Tage nach dem Basistest bewertet. ERGEBNISSE: Es wurde festgestellt, dass die orale und topische Wasserstoffintervention die Abnahme der Plasmaviskosität im Vergleich zur Kontrollgruppe verstärkte (P = 0,04). Zwischen den 3 Gruppen wurden Unterschiede im Bewegungsumfang gefunden; die orale und topische Wasserstoffintervention führte zu einer schnelleren Rückkehr zum normalen Gelenkbewegungsumfang für Beugung und Streckung des verletzten Gliedmaßes im Vergleich zur Kontrollintervention (P < 0,05). SCHLUSSFOLGERUNG: Diese vorläufigen Ergebnisse stützen die Hypothese, dass die Ergänzung traditioneller Behandlungsprotokolle mit Wasserstoff bei der Behandlung von Weichteilverletzungen bei männlichen Profisportlern potenziell wirksam ist. Studienkennung: ClinicalTrials.gov-Nummer NCT01759498.
Original-Abstract (englisch)
BACKGROUND: Because hydrogen therapy has been found beneficial for the treatment of inflammation, ischemia-reperfusion injury, and oxidative stress in humans, it seems useful to evaluate the effects of exogenously administered hydrogen as an element in the immediate management of sports-related soft tissue injuries. The main aim of this pilot study was to examine the effects of 2-week administration of hydrogen on the biochemical markers of inflammation and functional recovery in male professional athletes after acute soft tissue injury. METHOD: During the 2013 season (from March to May), 36 professional athletes were recruited as participants and examined by a certified sports medicine specialist in the first 24 hours after an injury was sustained. Subjects were allocated to 3 randomly assigned trials in a single-blind design. Those in the control group received a traditional treatment protocol for soft tissue injury. Subjects in the first experimental group followed the same procedures as the control group but with additional administration throughout the study of oral hydrogen-rich tablets (2 g per day). Subjects in the second experimental group also followed the procedures of the control group, with additional administration throughout the study of both oral hydrogen-rich tablets (2 g per day) and topical hydrogen-rich packs (6 times per day for 20 minutes). Participants were evaluated at the time of the injury report and at 7 and 14 days after baseline testing. RESULTS: Oral and topical hydrogen intervention was found to augment plasma viscosity decrease as compared with the control group (P = 0.04). Differences were found for range-of-motion recovery between the 3 groups; oral and topical hydrogen intervention resulted in a faster return to normal joint range of motion for both flexion and extension of the injured limb as compared with the control intervention (P < 0.05). CONCLUSION: These preliminary results support the hypothesis that the addition of hydrogen to traditional treatment protocols is potentially effective in the treatment of soft tissue injuries in male professional athletes. Trial identification: Clinicaltrials.gov number NCT01759498.
Quelle & Links
Screenshot der PubMed-Seite
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