2023 · Chen et al. — Klinische Untersuchung zur Wirkung von wasserstoffreichem Wasser bei primärer Retinitis pigmentosa
Kurzfassung
Bei 13 Patienten mit primärer Retinitis pigmentosa (24 Augen) war die bestkorrigierte Sehschärfe nach vier Wochen mit zweimal täglich wasserstoffreichem Wasser leicht, aber statistisch signifikant besser als zuvor (p < 0,05). Mehrere Amplituden im Elektroretinogramm nahmen ebenfalls zu, während sich Augeninnendruck, Netzhautdicke und Aderhautdicke nicht statistisch signifikant veränderten. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe, daher lassen sich diese Veränderungen nicht auf Wasserstoff zurückführen. (Heliyon, 2023.)
Kommentar
Die Studie fragte, ob das Trinken von wasserstoffreichem Wasser bei Patienten mit Retinitis pigmentosa (RP) durchführbar und wirksam ist. In der Klinik der Autoren klinisch diagnostizierte RP-Patienten tranken vier Wochen lang zweimal täglich 400 bis 500 ml wasserstoffreiches Wasser. Laut Volltext enthielt das Wasser 1,6 mg/L H₂, und jede Portion wurde innerhalb von 15 Minuten getrunken. Dreizehn Patienten (3 Männer und 10 Frauen im Alter von 27 bis 65 Jahren) trugen 24 Augen bei. Eine Kontrollgruppe gab es nicht: Laut Volltext wurden die Werte jedes Patienten nach dem Trinken mit seinen eigenen Werten davor verglichen. Gemessen wurden die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA), der Augeninnendruck, die Netzhaut- und Aderhautdicke sowie Amplituden und Gipfelzeiten von Elektroretinogramm (ERG) und visuell evozierten Potenzialen. Visuell evozierte Musterpotenziale wurden bei den sechs Patienten (11 Augen) mit einer BCVA über 20/200 ausgewertet, Blitz-VEP bei den sieben Patienten (13 Augen) unter 20/200. Das Abstract nennt keinen primären Endpunkt und berichtet nicht über unerwünschte Ereignisse.
Wichtige Zitate
- „Die BCVA nach dem Trinken von HRW betrug 0,34 ± 0,25 und war gegenüber dem Wert davor statistisch verbessert (p < 0,05).“ Original (EN): „The BCVA after HRW drinking was 0.34 ± 0.25, which was statistically improved compared with that before (P < 0.05).“ — das Ergebnis zur Sehschärfe; das Abstract nennt nur den Wert nach dem Trinken
- „Die Amplituden der b-Welle in der dunkeladaptierten 0,01-Antwort, der a- und b-Welle in der dunkeladaptierten 3,0-Antwort, der dunkeladaptierten oszillatorischen Potenziale (Gesamtwelle), der a- und b-Welle in der helladaptierten 3,0-Antwort und der helladaptierten Flicker-Antwort des Elektroretinogramms (ERG) waren signifikant höher als vor dem Trinken von HRW (alle p < 0,05).“ Original (EN): „The amplitudes of the b-wave in Dark-adaptation 0.01 response, a and b waves in Dark-adaptation 3.0 response, the Dark-adaptation Ops total wave, a and b waves in Light-adaptation 3.0 response, and the Light-adaptation Flicker response of electroretinogram (ERG) were significantly higher than those before HRW drinking (all P < 0.05).“ — Netzhautfunktion im Elektroretinogramm, nur mit den eigenen Ausgangswerten verglichen
- „Kurzzeitiges Trinken von HRW verbesserte die Sehfunktion bei Patienten mit primärer RP leicht, während sich bei der Dicke von Netzhaut und Aderhaut keine signifikante Verbesserung fand.“ Original (EN): „Short-term HRW drinking slightly improved visual function in patients with primary RP, whereas no significant improvement was found in the thickness of the retina and choroid.“ — das Fazit der Autoren, das auch den Nullbefund zur Netzhautstruktur nennt
Unsere Einordnung
Diese kleine Vorher-nachher-Studie an einer Klinik kann zeigen, dass sich Messwerte über vier Wochen veränderten, aber nicht, warum. Ohne Kontrollgruppe lassen sich die Veränderungen nicht auf Wasserstoff zurückführen. Die Sehschärfe verbesserte sich statistisch, laut Volltext stieg die mittlere Dezimal-Sehschärfe aber nur von 0,33 ± 0,26 auf 0,34 ± 0,25 (p = 0,007), und das Abstract erörtert nicht, ob dieser Unterschied im Alltag eine Rolle spielt. Netzhaut- und Aderhautdicke sowie die Blitz-VEP veränderten sich nicht signifikant. Einschränkungen: 13 Patienten, vier Wochen Trinkdauer, keine Randomisierung, keine berichtete Verblindung, kein primärer Endpunkt genannt und viele elektrophysiologische Messgrößen geprüft. Laut Volltext wurden die 24 Augen als getrennte Einheiten ausgewertet, obwohl die meisten Patienten beide Augen beitrugen, und die COVID-19-Pandemie schränkte die Nachbeobachtung ein. Das Abstract berichtet nicht über unerwünschte Ereignisse. Die Ergebnisse können höchstens eine kontrollierte Studie begründen.
Studiendesign
- Typ: einarmige Vorher-nachher-Studie an einer Klinik, keine Randomisierung, keine Kontrollgruppe · n: 13 Patienten (24 Augen) · H₂-Gabe: Trinken von wasserstoffreichem Wasser, 400–500 ml zweimal täglich über vier Wochen; laut Volltext 1,6 mg/L H₂
- Vergleich: keiner; Werte vor dem Trinken an denselben Augen
- Ergebnis: kein primärer Endpunkt genannt. BCVA nach dem Trinken 0,34 ± 0,25, gegenüber vorher verbessert (p < 0,05; laut Volltext vorher 0,33 ± 0,26, p = 0,007). Mehrere ERG-Amplituden höher, Gipfelzeiten verbessert (alle p < 0,05). Augeninnendruck, Netzhaut- und Aderhautdicke: keine signifikante Veränderung (alle p > 0,05). Muster-VEP: keine Veränderung bei 1°, statistisch unterschiedlich bei 15' (p < 0,05). Blitz-VEP: keine signifikante Veränderung (alle p > 0,05)
Abstract (deutsche Übersetzung)
ZIEL: Untersuchung der Durchführbarkeit und Wirksamkeit von Wasserstoff in der Behandlung von Patienten mit Retinitis pigmentosa (RP) durch das Trinken von wasserstoffreichem Wasser (HRW). METHODEN: Ausgewählt wurden in unserer Klinik klinisch diagnostizierte RP-Patienten; sie tranken vier Wochen lang zweimal täglich 400–500 ml HRW. Beobachtet wurden die Veränderungen der bestkorrigierten Sehschärfe (BCVA), des Augeninnendrucks, der Netzhautdicke und der Aderhautdicke sowie der Amplitude und Gipfelzeit visueller elektrophysiologischer Untersuchungen vor und nach dem Trinken von HRW. Die Daten wurden statistisch ausgewertet. ERGEBNISSE: Insgesamt wurden 24 Augen von 13 RP-Patienten (3 Männer und 10 Frauen im Alter von 27 bis 65 Jahren) in die Studie aufgenommen. Die BCVA nach dem Trinken von HRW betrug 0,34 ± 0,25 und war gegenüber dem Wert davor statistisch verbessert (p < 0,05). Augeninnendruck, Netzhautdicke und Aderhautdicke unterschieden sich vor und nach dem Trinken von HRW nicht signifikant (alle p > 0,05). Die Amplituden der b-Welle in der dunkeladaptierten 0,01-Antwort, der a- und b-Welle in der dunkeladaptierten 3,0-Antwort, der dunkeladaptierten oszillatorischen Potenziale (Gesamtwelle), der a- und b-Welle in der helladaptierten 3,0-Antwort und der helladaptierten Flicker-Antwort des Elektroretinogramms (ERG) waren signifikant höher als vor dem Trinken von HRW (alle p < 0,05). Die entsprechenden Gipfelzeiten verbesserten sich gegenüber den Werten vor dem HRW-Konsum in gewissem Maß (alle p < 0,05). Sechs RP-Patienten (11 Augen) hatten eine BCVA über 20/200. Amplitude und Gipfelzeit der P100-Welle der visuell evozierten Musterpotenziale (PVEP) mit 1° unterschieden sich nicht signifikant von den Werten vor dem Trinken von HRW (p > 0,05), während sich die Daten der PVEP mit 15' statistisch unterschieden (p < 0,05). Sieben RP-Patienten (13 Augen) hatten eine BCVA unter 20/200. Bei Amplitude und Gipfelzeit der P2-Welle der Blitz-VEP (FVEP) mit 1,0 Hz und bei der Amplitude der FVEP mit 12 Hz fanden sich keine signifikanten Unterschiede gegenüber den Werten vor dem Trinken von HRW (alle p > 0,05). SCHLUSSFOLGERUNG: Kurzzeitiges Trinken von HRW verbesserte die Sehfunktion bei Patienten mit primärer RP leicht, während sich bei der Dicke von Netzhaut und Aderhaut keine signifikante Verbesserung fand.
Original-Abstract (englisch)
OBJECTIVE: To investigate the feasibility and effectiveness of hydrogen in the treatment of retinitis pigmentosa (RP) patients through the drinking of hydrogen-rich water (HRW). METHODS: RP patients clinically diagnosed in our hospital were selected and given HRW for drinking at 400-500 ml twice a day for four consecutive weeks. Changes in best corrected visual acuity (BCVA), intraocular pressure, the retinal thickness, and choroidal thickness, as well as the amplitude and peak time of visual electrophysiological examinations before and after HRW drinking were observed. Data were statistically analyzed. RESULTS: In total, 24 eyes of 13 patients with RP (3 males and 10 females aged-27-65 years old, were enrolled in the study. The BCVA after HRW drinking was 0.34 ± 0.25, which was statistically improved compared with that before (P < 0.05). There were no significant differences in intraocular pressure, retinal lhickness, or choroidal thickness before and after HRW drinking (all P > 0.05). The amplitudes of the b-wave in Dark-adaptation 0.01 response, a and b waves in Dark-adaptation 3.0 response, the Dark-adaptation Ops total wave, a and b waves in Light-adaptation 3.0 response, and the Light-adaptation Flicker response of electroretinogram (ERG) were significantly higher than those before HRW drinking (all P < 0.05). The corresponding peak times iwere mproved to some extent compared to those before HRW consumption (all P < 0.05). Six patients with RP (11 eyes) had a BCVAm ore than 20/200. The amplitude and peak time of the P100 -ave from the 1°p attern visual evoked potentials (PVEP) were not significantly different from those before HRW drinking (P > 0.05), while the data from the 15' PVEP were statistically different (P < 0.05). Seven patients with RP (13 eyes) had a BCVA less than. 20/200 No significant differences were found in the amplitude and peak time of the P2 wave from the 1.0 Hz flash visual evoked potentials (FVEP) and the amplitude from the 12 Hz FVEP compared with those before HRW drinking (all P > 0.05). CONCLUSION: Short-term HRW drinking slightly improved visual function in patients with primary RP, whereas no significant improvement was found in the thickness of the retina and choroid.
Quelle & Links
Screenshot der PubMed-Seite
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