2023 · Najmanová — Effekt der akuten Aufnahme von wasserstoffreichem Wasser auf den Augeninnendruck bei gesunden Probanden
Kurzfassung
Das schnelle Trinken von 1260 ml Flüssigkeit erhöht den Augeninnendruck — bei wasserstoffreichem Wasser (HRW) sogar klinisch relevant häufiger als bei Placebo. In dieser randomisierten Doppelblind-Crossover-Studie (24 gesunde Probanden) stieg der Augeninnendruck nach HRW im Schnitt um bis zu 2,7 mmHg; bei 58 % der HRW-Trinker war der Anstieg klinisch bedeutsam (Placebo: 25 %). (Česká a slovenská oftalmologie, 2023 — ein wichtiges Sicherheits-Signal für Glaukom-Risikogruppen.)
Kommentar
Diese Studie ist deshalb interessant, weil sie nicht den üblichen Nutzen-Aspekt von Wasserstoff zeigt, sondern eine Sicherheitsfrage ehrlich beleuchtet — und genau solche Studien gehören in eine seriöse Datenbank. Das Design ist sauber: randomisiert, doppelblind, Crossover, 24 gesunde Probanden (5 Männer, 19 Frauen, 20–33 Jahre), jeder Proband bekam an verschiedenen Tagen einmal H₂-Wasser und einmal wasserstofffreies Placebo. In beiden Fällen wurden 1260 ml in nur 15 Minuten getrunken. Das Ergebnis: Beide Wasser ließen den Augeninnendruck signifikant steigen — das ist der bekannte „Water-Drinking-Test“-Effekt, der durch die schnelle große Flüssigkeitsmenge entsteht, nicht durch den Wasserstoff selbst. Der maximale Anstieg lag bei 2,7 mmHg (HRW, Minute 25) gegenüber 1,4 mmHg (Placebo, Minute 35). Spannend ist aber: Bei HRW war der Anstieg deutlich öfter klinisch relevant (58 % vs. 25 %). Die Hornhautdicke änderte sich nicht. Die Autoren ziehen daraus die vorsichtige Schlussfolgerung, dass schnelles HRW-Trinken für Risikogruppen wie Glaukom-Patienten ein höheres Risiko bergen könnte — das müsse aber erst durch weitere Studien an diesen Gruppen bestätigt werden. Ehrlich dazu: Die Stichprobe ist klein und gesund, die Wirkung kommt vor allem vom Trinkvolumen, und der Unterschied zu Placebo betrifft die Häufigkeit klinisch relevanter Anstiege, nicht den Mittelwert.
Wichtige Zitate
- „Die Verabreichung sowohl von HRW als auch des Placebos verursachte einen signifikanten Anstieg des Augeninnendrucks.“ Original (EN): „Administration of both HRW and the placebo caused a significant increase in IOP.“ — Der Druckanstieg kommt primär vom schnellen Trinkvolumen, nicht spezifisch vom Wasserstoff
- „Es gab signifikant mehr klinisch bedeutsame individuelle Augeninnendruck-Anstiege nach HRW-Aufnahme (58 %) im Vergleich zum Placebo (25 %).“ Original (EN): „there were significantly more clinically significant individual IOP increases after HRW intake (58%) compared to the placebo (25%).“ — Der eigentliche HRW-Unterschied: häufiger klinisch relevante Anstiege
- „Im Fall von Risikogruppen wie Personen mit Glaukom, okulärer Hypertension oder Glaukom-Verdacht ist es notwendig, diese Schlussfolgerung durch weitere Studien zu verifizieren.“ Original (EN): „in the case of risk groups such as subjects with glaucoma, ocular hypertension or suspected glaucoma, it is necessary to verify this conclusion by further studies.“ — Ehrlicher Vorbehalt: für Risikogruppen noch unklar
Unsere Einordnung
Diese Studie ist wertvoll, weil sie zeigt, dass es ernst gemeint ist: Es werden nicht nur Positivbefunde gesammelt, sondern auch Sicherheits-/Vorsichtssignale. Wichtig ist die saubere Differenzierung — der Hauptanstieg des Augeninnendrucks ist ein bekannter Effekt der schnellen Aufnahme großer Flüssigkeitsmengen (1260 ml in 15 Minuten ist eine extreme Trinkmenge, kein normales Trinkverhalten) und nicht dem Wasserstoff zuzuschreiben. Der HRW-spezifische Effekt (häufigere klinisch relevante Anstiege) ist hypothesengenerierend, nicht abschließend. Praktische Konsequenz: H₂-Wasser über den Tag verteilt in normalen Portionen trinken; Glaukom-Betroffene sollten mit dem Augenarzt sprechen. Limitation, ehrlich benannt: kleine Stichprobe (n = 24), nur gesunde junge Erwachsene, untersucht ein unrealistisch hohes Schnelltrink-Volumen, keine Glaukom-Patienten getestet.
Studiendesign
- Typ: RCT, randomisiert/doppelblind/Crossover · n: 24 gesunde Probanden (5 m / 19 w, 20–33 J.) · Dauer: 75 min Messfenster pro Versuchstag · H₂-Gabe: 1260 ml wasserstoffreiches Wasser (HRW) in 3 Dosen über 15 min, vs. wasserstofffreies Placebo
- Ergebnis: max. Augeninnendruck-Anstieg HRW 2,7 ± 2,0 mmHg (Min. 25) vs. Placebo 1,4 ± 2,0 mmHg (Min. 35); kein signifikanter Mittelwert-Unterschied zwischen den Teilen; klinisch relevante Einzelanstiege HRW 58 % vs. Placebo 25 %; Hornhautdicke (CCT) unverändert
Abstract (deutsche Übersetzung)
ZIELE: Das primäre Ziel der Studie war es, die Reaktion des Augeninnendrucks (IOP) auf die akute Aufnahme von wasserstoffreichem Wasser (HRW) im Vergleich zu wasserstofffreiem Wasser (Placebo) bei gesunden Probanden zu beurteilen. Auch der Effekt der HRW-Aufnahme auf die zentrale Hornhautdicke (CCT) wurde beobachtet. PROBANDEN UND METHODEN: Vierundzwanzig gesunde Freiwillige (5 Männer, 19 Frauen) im Alter zwischen 20 und 33 Jahren wurden in die Studie eingeschlossen, bei der jeweils ein Auge pro Proband gemessen wurde. Die Studie war prospektiv, randomisiert und doppelblind mit Crossover-Design. Jeder Proband durchlief zwei Teile des Experiments, jeden Teil an einem anderen Tag und in zufälliger Reihenfolge. In jedem Teil des Experiments wurde ein Gesamtvolumen von 1260 ml HRW oder Placebo über 15 Minuten in drei Dosen verabreicht. IOP und CCT wurden vor und im Verlauf von 75 Minuten ab Beginn der HRW- oder Placebo-Aufnahme gemessen. ERGEBNISSE: Die Verabreichung sowohl von HRW als auch des Placebos verursachte einen signifikanten Anstieg des Augeninnendrucks. Der maximale IOP-Anstieg betrug 2,7 mmHg ± 2,0 mmHg in Minute 25 nach Beginn des Experiments (HRW-Aufnahme) und 1,4 mmHg ± 2,0 mmHg in Minute 35 (Placebo-Aufnahme). Die IOP-Werte unterschieden sich zwischen beiden Teilen nicht signifikant, aber es gab signifikant mehr klinisch bedeutsame individuelle IOP-Anstiege nach HRW-Aufnahme (58 %) im Vergleich zum Placebo (25 %). Die CCT änderte sich während des Experiments nicht signifikant. SCHLUSSFOLGERUNG: Die schnelle Aufnahme von 1260 ml sowohl HRW als auch wasserstofffreiem Wasser verursacht bei gesunden Personen einen statistisch signifikanten Anstieg des IOP gegenüber dem Ausgangswert. Im Fall von HRW war der Anstieg bei den meisten Probanden auch klinisch signifikant. Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass die akute Aufnahme von HRW hinsichtlich des IOP ein höheres Risiko darstellen könnte als die Placebo-Aufnahme. Im Fall von Risikogruppen wie Personen mit Glaukom, okulärer Hypertension oder Glaukom-Verdacht ist es jedoch notwendig, diese Schlussfolgerung durch weitere Studien zu verifizieren.
Original-Abstract (englisch)
PURPOSES: The primary aim of the study was to assess the response of intraocular pressure (IOP) to the acute ingestion of hydrogen-rich water (HRW) compared to hydrogen-free water (placebo) in healthy subjects. The effect of HRW intake on central corneal thickness (CCT) was also monitored. SUBJECTS AND METHODS: Twenty-four healthy volunteers (5 men, 19 women) aged between 20 and 33 were included in the study, in which one eye of each subject was measured. The study was prospective, randomized and double-blind, with crossover design. Each subject underwent two parts of the experiment, each part on a different day and in random order. In each part of experiment, a total volume of 1260 ml of HRW or placebo was administered over 15 minutes in three doses. IOP and CCT were measured before and during the course of 75 minutes from the start of the HRW or placebo intake. RESULTS: Administration of both HRW and the placebo caused a significant increase in IOP. The maximum IOP increase was 2.7 mmHg ±2.0 mmHg in minute 25 after the commencement of the experiment (HRW intake), and 1.4 mmHg ±2.0 mmHg in minute 35 (placebo intake). The values of IOP did not differ significantly between both parts, but there were significantly more clinically significant individual IOP increases after HRW intake (58%) compared to the placebo (25%). CCT did not change significantly during the experiment. CONCLUSION: The rapid intake of 1260 ml of both HRW and hydrogen-free water causes a statistically significant increase in IOP compared to the baseline in healthy individuals. In the case of HRW, the increase was also clinically significant in most of the subjects. Thus, the results indicate that acute intake of HRW may pose a higher risk than placebo intake in terms of IOP. However, in the case of risk groups such as subjects with glaucoma, ocular hypertension or suspected glaucoma, it is necessary to verify this conclusion by further studies.
Quelle & Links
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