2016 Circulation journal : official journal of the Japanese Circulation Society Pilot / Beobachtung H₂-Therapie am Menschen Inhalation
2016 · Tamura et al. — Durchführbarkeit und Sicherheit der Wasserstoffgas-Inhalation beim Post-Cardiac-Arrest-Syndrom — erste Pilotstudie am Menschen.
Kurzfassung
In dieser ersten Humanstudie erhielten 5 Patienten mit präklinischem Herzstillstand, die einen Spontankreislauf wiedererlangt hatten, H₂-Gas-Inhalation in Kombination mit Standard-Temperaturmanagement — es wurden keine unerwünschten Wirkungen beobachtet, und 4 von 5 Patienten überlebten 90 Tage mit gutem neurologischem Ergebnis. Dies ist eine explorative Sicherheitsstudie, kein kontrollierter Wirksamkeitsversuch. (Circulation Journal, 2016.)
Kommentar
Das Post-Cardiac-Arrest-Syndrom (PCAS) verursacht durch Ischämie-Reperfusionsschäden schwere Gehirn- und Herzschäden — genau der oxidative Mechanismus, für den H₂ am meisten untersucht wird. Tierdaten hatten gezeigt, dass H₂-Inhalation Gehirn- und Herzfunktionsstörungen nach Herzstillstand reduziert. Dieser winzige Pilot (n=5) ist der erste Versuch am Menschen unter echten ICU-Bedingungen. Von 107 Herzstillstand-Patienten im Studienzeitraum erreichten nur 21 einen Spontankreislauf (ROSC), und nach Ausschlüssen erfüllten nur 5 alle Kriterien — was zeigt, wie anspruchsvoll diese Patientenpopulation ist. Die 4/5-Überlebensrate mit gutem neurologischem Ergebnis ist bemerkenswert, aber ohne Kontrollgruppe können keine kausalen Schlussfolgerungen gezogen werden.
Wichtige Zitate
- „Es wurden keine auf HI zurückzuführenden unerwünschten Wirkungen beobachtet, und 4 Patienten überlebten 90 Tage mit einem günstigen neurologischen Ergebnis.“ Original (EN): „No undesirable effects attributable to HI were observed and 4 patients survived 90 days with a favorable neurological outcome.“ — Sicherheit und vorläufiges Ergebnis: kein Schaden, hohe Überlebensrate in dieser kleinen Kohorte
- „Die Wasserstoffgas-Inhalation (HI) lindert Gehirn- und Herzfunktionsstörungen in Tiermodellen des Post-Cardiac-Arrest-Syndroms (PCAS).“ Original (EN): „Hydrogen gas inhalation (HI) ameliorates cerebral and cardiac dysfunction in animal models of post-cardiac arrest syndrome (PCAS).“ — mechanistische Rationale: Übertragung von Tierevidenz in den ersten Humanversuch
- „HI in Kombination mit TTM ist eine durchführbare Therapie für Patienten mit PCAS.“ Original (EN): „HI in combination with TTM is a feasible therapy for patients with PCAS.“ — Fazit: Durchführbarkeit etabliert — Wirksamkeit noch zu testen
Unsere Einordnung
Eine wichtige Sicherheits- und Machbarkeitsstudie in einer der anspruchsvollsten Notfallmedizin-Indikationen. Mit n=5 und ohne Kontrollarm sind keine Wirksamkeitsschlussfolgerungen möglich — aber das Fehlen von Sicherheitssignalen ist bedeutsam angesichts der Schwere der Patientenpopulation und der Neuartigkeit der Intervention. Limitationen: extrem kleines n; keine Randomisierung; starker Selektionsbias (107 → 21 → 5); Überlebens-Outcomes bei PCAS sind inhärent variabel. Die Studie rahmt sich korrekt als ersten Schritt in Richtung einer gepowerten RCT.
Studiendesign
- Typ: Erste unkontrollierte Pilotstudie am Menschen · n: 5 (von 107 präklinischen Herzstillstand-Patienten; 21 erreichten ROSC; 5 erfüllten Einschlusskriterien) · H₂-Gabe: H₂-Gas-Inhalation kombiniert mit Zieltemperaturmanagement (TTM)
- Setting: ICU nach Herzstillstand, Januar 2014 – Januar 2015
- Ergebnis: Keine auf H₂-Inhalation zurückzuführenden unerwünschten Wirkungen; 4/5 Patienten überlebten 90 Tage mit gutem neurologischem Ergebnis; Durchführbarkeit bestätigt
Abstract (deutsche Übersetzung)
HINTERGRUND: Die Wasserstoffgas-Inhalation (HI) lindert Gehirn- und Herzfunktionsstörungen in Tiermodellen des Post-Cardiac-Arrest-Syndroms (PCAS). HI bei menschlichen PCAS-Patienten wurde noch nie untersucht. METHODEN UND ERGEBNISSE: Zwischen Januar 2014 und Januar 2015 erreichten 21 von 107 Patienten mit präklinischem Herzstillstand einen Spontankreislauf. Nach Ausschluss von 16 Patienten mit spezifischen Kriterien unterzogen sich 5 Patienten der HI in Kombination mit Zieltemperaturmanagement (TTM). Es wurden keine auf HI zurückzuführenden unerwünschten Wirkungen beobachtet, und 4 Patienten überlebten 90 Tage mit einem günstigen neurologischen Ergebnis. SCHLUSSFOLGERUNGEN: HI in Kombination mit TTM ist eine durchführbare Therapie für Patienten mit PCAS.
Original-Abstract (englisch)
BACKGROUND: Hydrogen gas inhalation (HI) ameliorates cerebral and cardiac dysfunction in animal models of post-cardiac arrest syndrome (PCAS). HI for human patients with PCAS has never been studied. METHODS AND RESULTS: Between January 2014 and January 2015, 21 of 107 patients with out-of-hospital cardiac arrest achieved spontaneous return of circulation. After excluding 16 patients with specific criteria, 5 patients underwent HI together with target temperature management (TTM). No undesirable effects attributable to HI were observed and 4 patients survived 90 days with a favorable neurological outcome. CONCLUSIONS: HI in combination with TTM is a feasible therapy for patients with PCAS. (Circ J 2016; 80: 1870-1873).
Quelle & Links
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