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2020 · Qian — Wasserstoff bei Patienten mit kortikosteroid-refraktärer/-abhängiger chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung: eine einarmige, multizentrische, offene Phase-2-Studie

Originaltitel: Hydrogen in Patients With Corticosteroid-Refractory/Dependent Chronic Graft-Versus-Host-Disease: A Single-Arm, Multicenter, Open-Label, Phase 2 Trial

Kurzfassung

Bei chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung, die auf Kortison nicht mehr ansprach, erreichten 75 % der Patienten unter Wasserstoff-Wasser eine objektive Besserung — ohne nennenswerte Nebenwirkungen. In der Ansprech-Gruppe lag das 4-Jahres-Überleben bei 86,6 %, in der Nicht-Ansprech-Gruppe bei 0 %. (Frontiers in Immunology, 2020, einarmige multizentrische Phase-2-Studie, n = 24.)

Klassifiziert als Pilot / Beobachtung-Studie mit Trinken (HRW). Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Die chronische Graft-versus-Host-Erkrankung ist eine schwere Komplikation nach Stammzelltransplantation und die Haupt-Ursache für späte Sterblichkeit, die nicht mit einem Krankheitsrückfall zusammenhängt. Für Patienten, bei denen Kortison nicht mehr wirkt oder die davon abhängig geworden sind, gibt es keine Standardtherapie — das ist eine echte therapeutische Lücke. In dieser offenen Phase-2-Studie an mehreren Zentren tranken 24 Patienten dreimal täglich 4 ml/kg wasserstoffreiches Wasser, und die Organbeteiligung wurde alle drei Monate bewertet. Das Ergebnis ist bemerkenswert: 18 der 24 Patienten — also 75 % — zeigten ein objektives Ansprechen, ohne erkennbare Toxizität auch bei Langzeitanwendung. Der eindrucksvollste Befund ist der Überlebensunterschied: In der Ansprech-Gruppe lag das geschätzte 4-Jahres-Überleben bei 86,6 %, in der Nicht-Ansprech-Gruppe bei 0 % (p = 0,000132). Was es bedeutet: H₂-Wasser könnte für diese austherapierte Patientengruppe ein sehr risikoarmer Ansatz sein. Aber ganz ehrlich und unbedingt zu betonen: Das ist eine <strong>einarmige Studie ohne Kontrollgruppe</strong> mit nur 24 Patienten. Der dramatische Überlebensunterschied trennt schlicht Ansprecher von Nicht-Ansprechern — das ist kein Beweis dafür, dass H₂ das Überleben kausal verlängert, denn Patienten, die ohnehin eine bessere Prognose haben, sprechen tendenziell eher an.

Wichtige Zitate

  1. „Von den 24 Patienten hatten 18 (75 %; 95%-KI 55,1 % bis 88 %) ein objektives Ansprechen.“ Original (EN): „Of the 24 patients, 18 (75%; 95% CI, 55.1% to 88%) had an objective response.“ — drei von vier Patienten besserten sich objektiv
  2. „Es wurde keine signifikante Toxizität beobachtet.“ Original (EN): „No significant toxicity was observed.“ — gute Verträglichkeit, auch langfristig
  3. „Die Überlebensrate nach 4 Jahren ist in der Ansprech-Gruppe signifikant höher als in der Nicht-Ansprech-Gruppe (86,6 % gegenüber 0 %; p = 0,000132).“ Original (EN): „The survival rate at 4 years in the response group is significantly higher than the nonresponse group (86.6% vs 0%; p= 0.000132).“ — der starke Überlebensunterschied zwischen Ansprechern und Nicht-Ansprechern

Unsere Einordnung

Eine der klinisch ernsthaftesten H₂-Indikationen in diesem Batch — eine austherapierte, lebensbedrohliche Erkrankung, bei der H₂-Wasser eine objektive Ansprechrate von 75 % zeigte. Für uns als starkes Plausibilitäts- und Aufklärungsargument für das immunmodulatorische/antioxidative Profil von H₂ verwendbar — aber niemals als Therapieversprechen, schon gar nicht außerhalb des spezialisierten transplantationsmedizinischen Kontexts. Limitation, ehrlich benannt: kleine Stichprobe (n = 24), einarmiges, offenes Design ohne Kontrollgruppe (kein Placebo, keine Verblindung), und der spektakuläre Überlebensunterschied 86,6 % vs. 0 % ist ein Vergleich von Respondern vs. Non-Respondern — er belegt keine kausale Lebensverlängerung durch H₂. Die gute Verträglichkeit ist der robusteste Befund.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

Die chronische Graft-versus-Host-Erkrankung (cGVHD) ist die führende Ursache für späte Nicht-Rückfall-Mortalität nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSCT). Für Patienten, die gegenüber einer Kortikosteroid-Behandlung refraktär oder von ihr abhängig sind, gibt es keine Standardtherapie. Wir stellten die Hypothese auf, dass Wasserstoff bei cGVHD-Patienten therapeutische Effekte mit wenigen Nebenwirkungen ausüben könnte. Es wurde eine prospektive, offene Phase-2-Studie zu Wasserstoff durchgeführt. Die Patienten erhielten dreimal täglich 4 ml/kg wasserstoffreiches Wasser oral. Das Ansprechen wurde alle 3 Monate in Haut, Mund, Magen-Darm-Trakt, Leber, Augen, Lungen sowie Gelenken und Faszien bewertet. Insgesamt wurden 24 Patienten (Medianalter 27) aufgenommen. Von den 24 Patienten hatten 18 (75 %; 95%-KI 55,1 % bis 88 %) ein objektives Ansprechen. Es wurde keine signifikante Toxizität beobachtet. Die geschätzte 4-Jahres-Gesamtüberlebensrate betrug 74,7 % (95%-KI 54,9 %–94,5 %). Die Überlebenszeit war in der Ansprech-Gruppe signifikant verlängert. Die Überlebensrate nach 4 Jahren ist in der Ansprech-Gruppe signifikant höher als in der Nicht-Ansprech-Gruppe (86,6 % gegenüber 0 %; p = 0,000132). Wasserstoff zeigte eine große Wirksamkeit bei cGVHD-Patienten, und die langfristige Gabe von Wasserstoff war nicht mit signifikanten toxischen Effekten verbunden. Die Studie wurde unter www.ClinicalTrials.Gov registriert, NCT02918188.
Original-Abstract (englisch)
Chronic graft-versus-host-disease (cGVHD) is the leading cause of late non-relapse mortality after allogeneic hematopoietic stem cell transplantation(HSCT). There is no standard therapy for patients refractory or dependent to corticosteroid treatment. We hypothesized that hydrogen may exert therapeutic effects on cGVHD patients with few side effects. A prospective open-label phase 2 study of hydrogen was conducted. Patients received hydrogen-rich water 4ml/kg orally three times a day. Responses were graded in the skin, mouth, Gastrointestinal(GI), liver, eyes, lungs and joints and fascia every 3 months. A total of 24 patients (median age 27) were enrolled. Of the 24 patients, 18 (75%; 95% CI, 55.1% to 88%) had an objective response. No significant toxicity was observed. The estimated 4-year overall survival rate was 74.7%(95% CI, 54.9%-94.5%). The survival time was significantly prolonged in the response group. The survival rate at 4 years in the response group is significantly higher than the nonresponse group (86.6% vs 0%; p= 0.000132). Hydrogen showed great efficacy on cGVHD patients and long-term administration of hydrogen was not associated with significant toxic effects. The trial was registered at www.ClinicalTrials.Gov, NCT02918188.

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

Screenshot — PubMed 33324415

Diese Seite spiegelt den veröffentlichten Abstract (© Autoren / Verlag) zur Referenz und Zitation. Die kanonische Quelle ist der oben verlinkte PubMed-Eintrag. Dies ist keine medizinische Beratung.