2013 · Matsumoto et al. — Wirkung der Supplementierung mit wasserstoffreichem Wasser bei Patienten mit interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom.
Kurzfassung
In einer doppelblinden, placebokontrollierten RCT bei 30 Patienten mit interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom (IC/PBS) übertraf wasserstoffreiches Wasser den Placebo nach 8 Wochen an keinem primären Symptomendpunkt signifikant — obwohl eine außergewöhnliche Ansprechrate von 11 % festgestellt wurde. Die Autoren empfehlen HRW bei IC/PBS aufgrund dieser Ergebnisse nicht. (Urology, 2013.)
Kommentar
Interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom ist ein chronisches, schlecht verstandenes Erkrankungsbild mit Blasenschmerzen, Harndrang und Pollakisurie, für das keine zuverlässige Behandlung existiert. Dies ist eine der wenigen H₂-Studien, die ein klar negatives primäres Ergebnis berichtet — und das sollte als solches hervorgehoben werden. Sowohl die HRW- als auch die Placebo-Gruppe verbesserten ihre Blasenschmerz-Scores während der 8 Wochen, aber die Verbesserung war statistisch nicht unterscheidbar zwischen den Gruppen. Der einzige bemerkenswerte Befund war, dass 11 % der HRW-Patienten eine sehr deutliche Verbesserung des Blasenschmerzes zeigten — ein potenzielles Ausreißersignal, das eine Responder-Untergruppe anzeigen könnte, die es wert wäre, untersucht zu werden, aber kein robuster Befund bei n=30. Das rigorose Design (prospektiv, doppelblind, 2:1-Randomisierung, mehrere validierte Fragebögen, Miktionstagebuch) macht dies zu einem zuverlässigen Null-Ergebnis. Die ehrliche Berichterstattung negativer Ergebnisse wie dieses ist für die H₂-Evidenzbasis wesentlich.
Wichtige Zitate
- „Der Blasenschmerz-Score wurde in beiden Gruppen signifikant reduziert.“ Original (EN): „The score of bladder pain was significantly reduced in both groups.“ — beide Gruppen verbesserten sich — deutet auf einen starken Placebo-Effekt oder natürliche Krankheitsschwankung hin
- „Die Wirkung von wasserstoffreichem Wasser auf die Symptome unterschied sich nicht signifikant von der des Placebos, obwohl die Supplementierung mit wasserstoffreichem Wasser bei 11 % der Patienten äußerst wirksam bei der Verbesserung des Blasenschmerz-Scores war.“ Original (EN): „the effect of hydrogen-rich water on symptoms was not significantly different from that of placebo, although supplementation with hydrogen-rich water was extremely effective in improving the bladder pain score in 11% of the patients.“ — Kernbefund: kein signifikanter Vorteil gegenüber Placebo; mögliche Responder-Minderheit festgestellt
- „Die Ergebnisse der vorliegenden Studie stützen den Einsatz von wasserstoffreichem Wasser zur Behandlung von Patienten mit IC/PBS nicht.“ Original (EN): „The results of the present study do not support the use of supplementation with hydrogen-rich water for treating patients with IC/PBS.“ — klares negatives Fazit der Autoren
Unsere Einordnung
Eine gut konzipierte Studie mit einem klar negativen primären Ergebnis: HRW zeigte keinen statistisch signifikanten Nutzen gegenüber Placebo bei IC/PBS-Symptomen. Beide Gruppen verbesserten sich gleichermaßen, was mit einem starken Placebo-Effekt oder natürlicher Krankheitsschwankung übereinstimmt. Das mögliche 11%-Ausnahme-Responder-Signal ist interessant, aber bei dieser Stichprobengröße nicht handlungsrelevant. Limitationen: kleines n (28 auswertbar), 8-Wochen-Dauer kann für eine chronische Erkrankung kurz sein, einzentrisch, überwiegend weibliche Population. Dieses ehrliche Null-Ergebnis ist ein wichtiger Beitrag zur Evidenzbasis — es schließt einen breiten, unspezifischen entzündungshemmenden Effekt von HRW bei IC/PBS mit Standarddosierung aus.
Studiendesign
- Typ: prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte RCT · n: 30 eingeschlossen (28 auswertbar: ~20 HRW, ~8 Placebo) mit IC/PBS, 2:1-Randomisierung · H₂-Gabe: wasserstoffreiches Wasser oral für 8 Wochen
- Endpunkte: Interstitial Cystitis Symptom Index, Interstitial Cystitis Problem Index, Parsons' Pelvic Pain and Urgency/Frequency Scale, VAS Blasenschmerz, 3-Tage-Miktionstagebuch
- Ergebnis: Blasenschmerz in beiden Gruppen verbessert; KEIN signifikanter Gruppenunterschied bei irgendeinem primären Endpunkt; 11 % der HRW-Patienten zeigten große Blasenschmerz-Verbesserung; 2 Abbrüche
Abstract (deutsche Übersetzung)
ZIEL: Untersuchung der Wirksamkeit von wasserstoffreichem Wasser zur Behandlung von Patienten mit interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom (IC/PBS). METHODEN: Wir führten eine prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie mit wasserstoffreichem Wasser bei Patienten mit IC/PBS durch. Einschlusskriterien waren stabile IC/PBS-Symptome für ≥ 12 Wochen nach Blasenhydrodistension, ein Interstitial Cystitis Symptom Index Score von ≥ 7 und Blasenschmerz (Frage 4 im Interstitial Cystitis Symptom Index) von ≥ 4. Sie wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert, um 8 Wochen lang entweder wasserstoffreiches Wasser oder Placebo-Wasser zu erhalten. Die Symptome wurden anhand des Interstitial Cystitis Symptom Index, des Interstitial Cystitis Problem Index, der Parsons Pelvic Pain and Urgency/Frequency Patient Symptom Scale, der visuellen Analogskala für Blasenschmerzen und einem Standard-3-Tage-Miktionstagebuch bewertet. Das primäre Ergebnis war die Verbesserung der vom Patienten berichteten Symptome nach der Behandlung. ERGEBNISSE: Insgesamt 30 Teilnehmer (29 Frauen und 1 Mann, Alter 64,0 ± 14,8 Jahre) wurden in die vorliegende Studie aufgenommen, und 2 Patienten (beide Frauen) schieden aus der Studie aus. Der Blasenschmerz-Score wurde in beiden Gruppen signifikant reduziert. Die Wirkung von wasserstoffreichem Wasser auf die Symptome unterschied sich jedoch nicht signifikant von der des Placebos, obwohl die Supplementierung mit wasserstoffreichem Wasser bei 11 % der Patienten äußerst wirksam bei der Verbesserung des Blasenschmerz-Scores war. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Ergebnisse der vorliegenden Studie stützen den Einsatz von wasserstoffreichem Wasser zur Behandlung von Patienten mit IC/PBS nicht.
Original-Abstract (englisch)
OBJECTIVE: To investigate the efficacy of hydrogen-rich water for the treatment of patients with interstitial cystitis/painful bladder syndrome (IC/PBS). METHODS: We conducted a prospective, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial of hydrogen-rich water in patients with IC/PBS. Inclusion criteria were stable symptoms of IC/PBS for ≥ 12 weeks after bladder hydrodistension, Interstitial Cystitis Symptom Index score of ≥ 7 and bladder pain (question 4 on Interstitial Cystitis Symptom Index) of ≥ 4. They were randomized by a 2:1 ratio to receive hydrogen-rich water or placebo water for 8 weeks. The symptoms were assessed using the Interstitial Cystitis Symptom Index, Interstitial Cystitis Problem Index, Parsons' Pelvic Pain and Urgency/Frequency Patient Symptom Scale, visual analog scale bladder pain scores, and a standard 3-day voiding diary. The primary outcome was improvement of patient-reported symptoms evaluated after treatment. RESULTS: A total of 30 participants (29 women and 1 man, age 64.0 ± 14.8 years) were enrolled in the present study, and 2 patients (both women) were withdrawn from the study. The score of bladder pain was significantly reduced in both groups. However, the effect of hydrogen-rich water on symptoms was not significantly different from that of placebo, although supplementation with hydrogen-rich water was extremely effective in improving the bladder pain score in 11% of the patients. CONCLUSION: The results of the present study do not support the use of supplementation with hydrogen-rich water for treating patients with IC/PBS.
Quelle & Links
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