2024 · Li et al. — Kann eine Supplementierung mit molekularem Wasserstoff belastungsbedingten oxidativen Stress bei gesunden Erwachsenen verringern? Systematische Übersicht und Metaanalyse
Kurzfassung
Über sechs Studien mit 76 gesunden Erwachsenen hinweg senkte Wasserstoff den Marker für belastungsbedingten oxidativen Stress d-ROMs gegenüber Placebo nicht (SMD −0,01, p = 0,94), erhöhte aber den Marker für antioxidative Kapazität BAP um einen kleinen Betrag (SMD 0,29, p = 0,03). In einer Subgruppenanalyse fiel der Anstieg des BAP laut Abstract bei intermittierender Belastung größer aus als bei kontinuierlicher (SMD 0,52). Die eingeschlossenen Studien gaben Wasserstoff als wasserstoffreiches Wasser, als Wasserstoffbad oder als wasserstoffreiches Gas, zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Dosen. Bei insgesamt 76 Teilnehmenden und ohne Angaben zur Heterogenität im Abstract sind die Ergebnisse unpräzise. (Frontiers in Nutrition, 2024.)
Kommentar
Wasserstoff soll übermäßige freie Radikale selektiv verringern, frühere Studien berichteten aber sowohl eine Zunahme als auch eine Abnahme des belastungsbedingten oxidativen Stresses. Diese in PROSPERO registrierte systematische Übersicht (CRD42022364123) durchsuchte fünf Datenbanken mit Suchbegriffen zu Wasserstoff, oxidativem Stress und randomisierten Studien. Das Suchdatum nennt der Abstract nicht. Eingeschlossen wurden Studien an gesunden Erwachsenen, die über die Wirkung von Wasserstoff auf oxidativen Stress und antioxidative Kapazität nach der Belastung berichteten. Ausgewertet wurden sechs Studien mit sieben Experimenten und 76 Teilnehmenden. Wasserstoff wurde als wasserstoffreiches Wasser, als Wasserstoffbad oder als wasserstoffreiches Gas gegeben, vor, während oder nach der Belastung oder wiederholt über mehrere Tage, als Einzel- oder Mehrfachdosis. Hauptendpunkte waren die Diacron-reaktiven Sauerstoffmetaboliten (d-ROMs) als Marker für oxidativen Stress und das biologische antioxidative Potenzial (BAP) als Marker für antioxidative Kapazität, jeweils im Vergleich mit Placebo. Subgruppenanalysen prüften Elemente der Interventionsgestaltung.
Wichtige Zitate
- „Gegenüber Placebo war die Wirkung von H2 auf den oxidativen Stress (Diacron-reaktive Sauerstoffmetaboliten, d-ROMs) nicht signifikant (SMD = -0,01; 95-%-KI -0,42 bis 0,39; p = 0,94).“ Original (EN): „It was observed that compared to placebo, the effects of H2 on oxidative stress (diacron-reactive oxygen metabolites, d-ROMs) was not significant (SMD = -0.01, 95%CI-0.42 to 0.39, p = 0.94).“ — der Hauptmarker für oxidativen Stress unterschied sich nicht von Placebo
- „H2 bewirkte jedoch gegenüber Placebo eine stärkere Verbesserung der antioxidativen Kapazität (biologisches antioxidatives Potenzial, BAP) (SMD = 0,29; 95-%-KI 0,04 bis 0,54; p = 0,03).“ Original (EN): „However, H2 induced greater improvement in antioxidant potential capacity (Biological Antioxidant Potential, BAP) (SMD = 0.29, 95% CI 0.04 to 0.54, p = 0.03) as compared to placebo.“ — der positive Befund: ein kleiner Effekt, die untere Konfidenzgrenze liegt nahe null
- „Eine H2-Supplementierung kann helfen, die antioxidative Kapazität bei gesunden Erwachsenen zu steigern, besonders bei intermittierender Belastung, senkt aber nicht direkt das Ausmaß des belastungsbedingten oxidativen Stresses.“ Original (EN): „H2 supplementation can help enhance antioxidant potential capacity in healthy adults, especially in intermittent exercise, but not directly diminish the levels of exercise-induced oxidative stress.“ — das Fazit der Autoren, das den positiven und den Nullbefund nennt
Unsere Einordnung
Diese kleine Metaanalyse liefert eine geteilte Antwort. Wasserstoff senkte den Marker für oxidativen Stress d-ROMs nach der Belastung nicht. Den antioxidativen Marker BAP erhöhte er leicht, mit einem Konfidenzintervall, dessen untere Grenze (0,04) nahe null liegt. Beides sind Blutwerte, über Leistung, Erholung oder Gesundheit sagt die Übersicht direkt nichts aus. Einschränkungen: Eingeschlossen waren nur sechs Studien mit 76 Teilnehmenden. Gepoolt wurden drei verschiedene Formen der Wasserstoffgabe mit unterschiedlichem Zeitpunkt und unterschiedlicher Dosierung. Der Abstract nennt keine Heterogenitätswerte, keine Bewertung des Verzerrungsrisikos, keine Einstufung der Evidenz und kein Suchdatum. Die Subgruppe mit intermittierender Belastung beruht auf noch weniger Daten und ist am ehesten als Hypothese zu lesen. Die Autoren selbst fordern strenger angelegte Studien, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Studiendesign
- Typ: systematische Übersicht und Metaanalyse, in PROSPERO registriert (fünf Datenbanken, Suchdatum im Abstract nicht angegeben) · n: 76 gesunde Erwachsene in sechs Studien (sieben Experimente) · H₂-Gabe: wasserstoffreiches Wasser, Wasserstoffbad oder wasserstoffreiches Gas, einmalig oder wiederholt vor, während oder nach der Belastung
- Eingeschlossene Studien: Studien an gesunden Erwachsenen, gefunden mit einer auf randomisierte Designs beschränkten Suche, mit Angaben zu oxidativem Stress und antioxidativer Kapazität nach der Belastung, Wasserstoff im Vergleich mit Placebo
- Ergebnis: d-ROMs SMD −0,01 (95-%-KI −0,42 bis 0,39, p = 0,94), nicht signifikant. BAP SMD 0,29 (95-%-KI 0,04 bis 0,54, p = 0,03). Subgruppe mit intermittierender Belastung, berichtet als stärkere BAP-Verbesserung als bei kontinuierlicher Belastung: SMD 0,52 (95-%-KI 0,16 bis 0,87, p = 0,02)
Abstract (deutsche Übersetzung)
ZIEL: Belastungsbedingter oxidativer Stress beeinflusst zahlreiche neurophysiologische Prozesse und mindert die körperliche Leistungsfähigkeit. Wasserstoff (H2) kann übermäßige freie Radikale selektiv verringern, doch Studien beobachteten seine „Doppelwirkung“ auf belastungsbedingten oxidativen Stress, also eine Zunahme oder eine Abnahme des oxidativen Stresses. Daher führten wir eine systematische Übersicht und Metaanalyse durch, um den Einfluss von H2 auf belastungsbedingten oxidativen Stress bei gesunden Erwachsenen quantitativ zu bewerten. METHODEN: Wir führten eine systematische Übersicht über Veröffentlichungen in fünf Datenbanken durch. Für die Suchstrategie wurden folgende Suchbegriffe verwendet: [„hydrogen“[Mesh] or „molecular hydrogen“ or „hydrogen rich water“ or „hydrogen-rich water“ or „hydrogen rich saline“] and [„Oxidative Stress“[Mesh] or „Antioxidative Stress“ or „Oxidative Damage“ or „Oxidative Injury“ or „Oxidative Cleavage“] and [„randomized controlled trial“[Mesh] or „randomized“ or „RCT“]. Eingeschlossen wurden Studien, die über die Wirkung von H2 auf belastungsbedingten oxidativen Stress und die mögliche antioxidative Kapazität nach der Belastung bei gesunden Erwachsenen berichteten. Zusätzlich wurden Subgruppenanalysen durchgeführt, um zu untersuchen, wie sich verschiedene Elemente der Interventionsgestaltung auf diese Endpunkte auswirkten. ERGEBNISSE: Sechs Studien mit sieben Experimenten und insgesamt 76 Teilnehmenden wurden in die Analyse aufgenommen. In diesen Studien wurde H2 in drei Formen gegeben: als wasserstoffreiches Wasser, als Wasserstoffbad und als wasserstoffreiches Gas. H2 wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten angewendet: nur vor, während oder nach der Belastung, sowohl vor als auch nach der Belastung sowie wiederholt über mehrere Tage. Es kamen Einzeldosen, mehrere Dosen an einem Tag und/oder mehrere Dosen über mehrere Tage zum Einsatz. Gegenüber Placebo war die Wirkung von H2 auf den oxidativen Stress (Diacron-reaktive Sauerstoffmetaboliten, d-ROMs) nicht signifikant (SMD = -0,01; 95-%-KI -0,42 bis 0,39; p = 0,94). H2 bewirkte jedoch gegenüber Placebo eine stärkere Verbesserung der antioxidativen Kapazität (biologisches antioxidatives Potenzial, BAP) (SMD = 0,29; 95-%-KI 0,04 bis 0,54; p = 0,03). Subgruppenanalysen zeigten, dass die H2-Supplementierung die antioxidative Kapazität bei intermittierender Belastung stärker verbesserte (SMD = 0,52; 95-%-KI 0,16 bis 0,87; p = 0,02) als bei kontinuierlicher Belastung. SCHLUSSFOLGERUNG: Eine H2-Supplementierung kann helfen, die antioxidative Kapazität bei gesunden Erwachsenen zu steigern, besonders bei intermittierender Belastung, senkt aber nicht direkt das Ausmaß des belastungsbedingten oxidativen Stresses. Künftige Studien mit strengerem Design sind nötig, um diese Ergebnisse zu prüfen und zu bestätigen. REGISTRIERUNG DER SYSTEMATISCHEN ÜBERSICHT: https://www.crd.york.ac.uk/PROSPERO/display_record.php?RecordID=364123, Kennung CRD42022364123.
Original-Abstract (englisch)
OBJECTIVE: Exercise-induced oxidative stress affects multiple neurophysiological processes, diminishing the exercise performance. Hydrogen (H2) can selectively reduce excessive free radicals, but studies observed its "dual effects" on exercise-induced oxidative stress, that is, increasing or decreasing the oxidative stress. Therefore, we here conducted a systematic review and meta-analysis to quantitatively assess the influence of H2 on exercise-induced oxidative stress in healthy adults. METHODS: We conducted a systematic review of publications across five databases. The following keywords were used for search strategy: ["hydrogen"[Mesh] or "molecular hydrogen" or "hydrogen rich water" or "hydrogen-rich water" or "hydrogen rich saline"] and ["Oxidative Stress"[Mesh] or "Antioxidative Stress" or "Oxidative Damage" or "Oxidative Injury" or "Oxidative Cleavage"] and ["randomized controlled trial"[Mesh] or "randomized" or "RCT"]. We included trials reporting the effects of H2 on exercise-induced oxidative stress and potential antioxidant capacity post-exercise in healthy adults. Additionally, subgroup analyses were conducted to explore how various elements of the intervention design affected those outcomes. RESULTS: Six studies, encompassing seven experiments with a total of 76 participants, were included in our analysis. Among these studies, hydrogen-rich water, hydrogen bathing, and hydrogen-rich gas were three forms used in H2 administration. The H2 was applied in different timing, including before, during, or after exercise only, both before and after exercise, and repeatedly over days. Single-dose, multi-dose within 1 day and/or multiple-dose over days were implemented. It was observed that compared to placebo, the effects of H2 on oxidative stress (diacron-reactive oxygen metabolites, d-ROMs) was not significant (SMD = -0.01, 95%CI-0.42 to 0.39, p = 0.94). However, H2 induced greater improvement in antioxidant potential capacity (Biological Antioxidant Potential, BAP) (SMD = 0.29, 95% CI 0.04 to 0.54, p = 0.03) as compared to placebo. Subgroup analyses revealed that H2 supplementation showed greater improvement (SMD = 0.52, 95%CI 0.16 to 0.87, p = 0.02) in the antioxidant potential capacity of intermittent exercises than continuous exercise. CONCLUSION: H2 supplementation can help enhance antioxidant potential capacity in healthy adults, especially in intermittent exercise, but not directly diminish the levels of exercise-induced oxidative stress. Future studies with more rigorous design are needed to examine and confirm these findings. SYSTEMATIC REVIEW REGISTRATION: https://www.crd.york.ac.uk/PROSPERO/display_record.php?RecordID=364123, Identifier CRD42022364123.
Quelle & Links
Screenshot der PubMed-Seite
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