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1990 · Gibson — Alternative Wege zur Wasserstoffbeseitigung während der Fermentation im menschlichen Kolon.

Originaltitel: Alternative pathways for hydrogen disposal during fermentation in the human colon.

Kurzfassung

Wenn Darmbakterien Kohlenhydrate fermentieren, entsteht Wasserstoffgas, das abtransportiert werden muss — und dafür stehen dem Dickdarm mehrere konkurrierende Wege zur Verfügung. Diese In-vitro-Studie mit Stuhlproben von 30 gesunden Erwachsenen zeigte, dass die Methanogenese bei den meisten Menschen der dominante Entsorgungsweg ist, während bei einer Minderheit die Sulfatreduktion dominiert — wobei beide Prozesse einander gegenseitig auszuschließen scheinen. (Gut, 1990.)

Klassifiziert als Mechanismus / Präklinisch-Studie mit Inhalation. Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Diese Studie verwendete Wasserstoffgas als metabolisches Produkt im Kontext der Kolonmikrobiologie — nicht als therapeutisches Mittel. Die Forscher inkubierten Stuhlsuspensionen mit Stärkesubstrat und quantifizierten die konkurrierenden Schicksale des mikrobiell produzierten H₂: Methanbildung, Sulfatreduktion zu H₂S und Acetogenese. Der Befund, dass Methanogenese und Sulfatreduktion sich gegenseitig auszuschließen scheinen — wahrscheinlich gesteuert durch Sulfatverfügbarkeit und den kolonialen pH-Wert — hat Bedeutung für das Verständnis der Darmfloravielfalt und der individuellen Variation bei Atemwasserstofftests. Diese Arbeit ist grundlegende Mikrobiologie ohne therapeutischen Ansatz; ihre Relevanz für die Wasserstoffforschung liegt in der Erklärung, warum die H₂-Ausscheidung in der Atemluft zwischen Individuen enorm variiert.

Wichtige Zitate

  1. „Sulfatreduktion und Methanogenese scheinen im Dickdarm sich gegenseitig auszuschließen, was wahrscheinlich mit der Sulfatverfügbarkeit zusammenhängt.“ Original (EN): „Sulphate reduction and methanogenesis seem to be mutually exclusive in the colon and this is probably linked to sulphate availability.“ — Schlüsselbefund über konkurrierende H₂-Entsorgungswege
  2. „Sulfatreduktion, Methanogenese und Acetogenese wurden stark durch den pH-Wert beeinflusst.“ Original (EN): „Sulphate reduction, methanogenesis, and acetogenesis were strongly influenced by pH.“ — pH als Hauptregulator dafür, welcher Weg dominiert
  3. „Im Dickdarm sind mehrere konkurrierende Wege zur Wasserstoffentsorgung möglich, und verschiedene Faktoren wie der kolinale pH-Wert und die Sulfatverfügbarkeit bestimmen, welcher dieser Mechanismen vorherrscht.“ Original (EN): „a number of competing pathways for hydrogen disposal are possible in the large gut and that a variety of factors such as colonic pH and sulphate availability can determine which of these mechanisms predominates.“ — Schlussfolgerung: individuelle Variation bei der H₂-Entsorgung wird durch Kolonbedingungen erklärt

Unsere Einordnung

Dies ist eine grundlegende In-vitro-Mikrobiolgie-Studie — keine therapeutische Untersuchung. Sie hilft zu erklären, warum Atemwasserstofftests eine große interindividuelle Variation zeigen: Manche Menschen sind „Methanproduzenten“, andere sind „Sulfatreduzierer“, und nur ein kleiner Anteil scheidet große Mengen H₂ in der Atemluft aus. Einschränkung: Stuhlsuspensionsexperimente bilden die In-vivo-Bedingungen im Kolon nicht vollständig ab. Die Studie liefert mechanistischen Kontext für den Wasserstoffstoffwechsel im Darm, bietet jedoch keinen Beleg für die therapeutische H₂-Anwendung beim Menschen oder im Tiermodell.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

Wasserstoffgas, das während der Fermentation im menschlichen Dickdarm produziert wird, wird entweder über die Atemluft ausgeschieden oder von Darmbakterien auf verschiedenen Wegen metabolisiert. Zu diesen Wegen können Methanogenese, dissimilatorische Sulfatreduktion und Acetogenese gehören. Um festzustellen, welcher dieser Wege im Dickdarm vorherrscht, wurden Stuhlproben von 30 gesunden Probanden entnommen und als 5%ige (w/v) Suspensionen mit Lintner-Stärke inkubiert. Bei 23 von 30 Probanden war die Methanproduktion die hauptsächliche Methode der Wasserstoffentsorgung. Bei den verbleibenden sieben wurden hohe Raten der Sulfatreduktion zusammen mit einer erhöhten H₂S-Produktion registriert. Alle Proben zeigten relativ niedrige Raten der Wasserstoffentwicklung und der Acetatbildung aus CO₂ und H₂. Sulfatreduktion und Methanogenese scheinen sich im Dickdarm gegenseitig auszuschließen, was wahrscheinlich mit der Sulfatverfügbarkeit zusammenhängt. Sulfatreduktion, Methanogenese und Acetogenese wurden stark durch den pH-Wert beeinflusst. Die Sulfatreduktion war bei alkalischen pH-Werten optimal, während die Methanproduktion bei neutralem pH maximal war und die Acetogenese saure Bedingungen bevorzugte. Die fäkalen H₂S-Werte standen im Zusammenhang mit dem Vorkommen sulfatreduzierender Bakterien. Diese Daten zeigen, dass im Dickdarm mehrere konkurrierende Wege zur Wasserstoffentsorgung möglich sind und dass verschiedene Faktoren wie der kolinale pH-Wert und die Sulfatverfügbarkeit bestimmen, welcher dieser Mechanismen vorherrscht.
Original-Abstract (englisch)
Hydrogen gas, which is produced during fermentation in the human colon, is either excreted in breath or metabolised by gut bacteria through a variety of pathways. These may include methanogenesis, dissimilatory sulphate reduction, and acetogenesis. To determine which of these routes predominates in the large intestine, stools were taken from 30 healthy subjects and incubated as 5% (w/v) slurries with Lintner's starch. In 23 of 30 subjects, methane production was the main method of hydrogen disposal. In the remaining seven, high rates of sulphate reduction were recorded together with raised production of H2S. All samples showed relatively low rates of hydrogen evolution and of acetate formation from CO2 and H2. Sulphate reduction and methanogenesis seem to be mutually exclusive in the colon and this is probably linked to sulphate availability. Sulphate reduction, methanogenesis, and acetogenesis were strongly influenced by pH. Sulphate reduction was optimal at alkaline pH values whereas methane production was maximal at a neutral pH and acetogenesis favoured acidic conditions. Faecal H2S values were related to carriage of sulphate reducing bacteria. These data show that a number of competing pathways for hydrogen disposal are possible in the large gut and that a variety of factors such as colonic pH and sulphate availability can determine which of these mechanisms predominates.

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

Screenshot — PubMed 2379871

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