2026 · Wang et al. — Eine systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit der Wasserstofftherapie bei Hörverlust
Kurzfassung
Diese systematische Übersichtsarbeit schloss 11 Studien zur Wasserstofftherapie bei Hörverlust an Menschen oder Tieren ein und berichtet über Schutzwirkungen in Modellen für lärm- und medikamentenbedingten Hörverlust und besseres Hören in zwei klinischen Situationen, ohne die Daten zu poolen. Laut Volltext betrafen nur drei der Studien Menschen: eine unkontrollierte Studie mit 17 Patienten mit Hörverlust nach Strahlentherapie, ein Bericht über 3 solche Patienten und eine randomisierte doppelblinde Studie mit 65 Patienten mit Hörsturz. Die Autoren bewerteten das Verzerrungsrisiko der Tierstudien als hoch, und die Unterschiede zwischen den Studien schlossen eine Metaanalyse aus. (Noise & Health, 2026.)
Kommentar
H₂ hat antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, doch zusammengefasste Evidenz zu seinem Einsatz bei Hörverlust fehlte bisher. Nach den PRISMA-Leitlinien durchsuchten die Autoren PubMed, MEDLINE und DOAJ bis zum 1. März 2025 nach Studien zu H₂ bei lärm-, medikamenten- oder strahlentherapiebedingtem Hörverlust und beim idiopathischen Hörsturz. Zwei Gutachter sichteten die Treffer, und 11 Studien an Menschen oder Tieren wurden eingeschlossen. Laut Volltext waren dies sieben Tierstudien an Meerschweinchen oder Rennmäusen, eine Studie an isolierten Haarzellen und drei Studien am Menschen, und nur englischsprachige Arbeiten kamen infrage. Laut Volltext nutzten die Tierstudien wasserstoffreiches Wasser, wasserstoffgesättigte Kochsalzlösung oder inhaliertes Gas, alle drei Studien am Menschen dagegen inhalierten Wasserstoff. Die Daten wurden nach Art des Hörverlusts zusammengefasst, ohne Metaanalyse. Das Verzerrungsrisiko der Tierstudien wurde mit dem SYRCLE-Instrument bewertet. Zu den Endpunkten gehörten Schwellen der auditorischen Hirnstammantwort, otoakustische Emissionen, die Struktur der Cochlea und Hörschwellen.
Wichtige Zitate
- „Eine randomisierte Studie bei ISSNHL zeigte, dass H2 in Kombination mit der Standardtherapie die Hörerholung signifikant verbesserte.“ Original (EN): „One randomized trial in ISSNHL showed H 2 combined with standard therapy significantly enhanced hearing recovery.“ — die einzige randomisierte Studie am Menschen unter den eingeschlossenen Arbeiten
- „Klinisch verbesserte die H2-Inhalation das Hörvermögen bei RIHL-Patienten nach Strahlentherapie.“ Original (EN): „Clinically, H 2 inhalation improved hearing in RIHL patients post-radiotherapy.“ — laut Volltext gestützt auf 17 unkontrollierte Patienten und einen Bericht über drei
- „H2 zeigt schützende Wirkungen in präklinischen NIHL- und DIHL-Modellen und vielversprechende Ergebnisse bei klinischem RIHL und ISSNHL, vor allem über antioxidative und entzündungshemmende Mechanismen. Weitere Studien sind nötig, um optimale Protokolle festzulegen und die Wirksamkeit zu bestätigen.“ Original (EN): „H 2 exhibits protective effects in preclinical NIHL and DIHL models, and promising outcomes in clinical RIHL and ISSNHL, primarily via antioxidative and anti-inflammatory mechanisms. Further trials are required to establish optimal protocols and confirm efficacy.“ — das Fazit der Autoren, das mit der Forderung nach weiteren Studien endet
Unsere Einordnung
Die Übersicht folgte PRISMA, nutzte zwei Gutachter für die Auswahl (laut Volltext unabhängig) und bewertete das Verzerrungsrisiko der Tierstudien. Dass H₂ Hörverlust beim Menschen behandelt, kann sie nicht zeigen. Einschränkungen: Laut Volltext waren 8 der 11 Studien Tier- oder Zellversuche, und die Autoren stuften das Verzerrungsrisiko der Tierstudien in mehreren Bereichen als hoch ein. Die Evidenz am Menschen besteht aus drei kleinen Studien. Der Befund nach Strahlentherapie beruht auf einer unkontrollierten Studie mit 17 Patienten und einem Bericht über 3 Patienten, und nur eine randomisierte Studie stützt das Ergebnis beim Hörsturz. Laut Volltext wurde das Verzerrungsrisiko nur für die Tierstudien formal bewertet. Eine Metaanalyse war nicht möglich, das Abstract nennt keine Effektgrößen, und die Suche umfasste nur drei Datenbanken und englischsprachige Arbeiten. Die Darstellung der klinischen Ergebnisse im Abstract geht daher weiter, als die Daten am Menschen erlauben.
Studiendesign
- Typ: systematische Übersichtsarbeit nach PRISMA, keine Metaanalyse · n: 11 Studien (laut Volltext 7 Tier-, 1 Zell-, 3 Humanstudien) · H₂-Gabe: inhaliertes Gas, wasserstoffreiches Wasser oder wasserstoffgesättigte Kochsalzlösung bei Tieren; inhaliertes Gas in allen Humanstudien (laut Volltext)
- Eingeschlossene Studien: PubMed, MEDLINE und DOAJ bis 1. März 2025 durchsucht. Laut Volltext waren die Humanstudien eine unkontrollierte Studie (17 Patienten) und ein Bericht über 3 Patienten, beide zu Hörverlust nach Strahlentherapie, sowie eine doppelblinde randomisierte Studie mit 65 Patienten mit Hörsturz
- Ergebnis: keine gepoolten Effektgrößen. Tiermodelle: geringere Schwellenverschiebungen der auditorischen Hirnstammantwort und bessere Erholung der otoakustischen Emissionen nach Lärm, Schutz von Haarzellen und Spiralganglienneuronen nach ototoxischen Medikamenten. Menschen: besseres Hören nach Strahlentherapie (unkontrollierte Daten). Randomisierte Studie laut Volltext: Änderung der Hörschwelle nach 3 Monaten 32,7 dB mit H₂ gegenüber 24,2 dB mit Placebo (p = 0,048). Tierstudien mit hohem Verzerrungsrisiko
Abstract (deutsche Übersetzung)
HINTERGRUND: Die Wasserstofftherapie (H₂) zeigt selektive antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften mit möglichem therapeutischem Wert bei verschiedenen Formen von Hörverlust, doch zusammengefasste Evidenz fehlt bislang. METHODEN: Wir führten eine systematische Übersichtsarbeit nach den Leitlinien der Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses durch und durchsuchten PubMed, MEDLINE und DOAJ (bis 1. März 2025) nach Studien zur H₂-Behandlung bei lärmbedingtem Hörverlust (NIHL), medikamentenbedingtem Hörverlust (DIHL), strahlentherapiebedingtem Hörverlust (RIHL) und idiopathischem Hörsturz (ISSNHL). Nach der Sichtung durch zwei Gutachter wurden 11 Studien mit menschlichen oder tierischen Probanden eingeschlossen. Die Daten wurden nach Art des Hörverlusts zusammengefasst, und das Verzerrungsrisiko der Tierstudien wurde mit dem Instrument des Systematic Review Centre for Laboratory Animal Experimentation bewertet. ERGEBNISSE: In NIHL-Modellen verringerte die H₂-Gabe die Schwellenverschiebungen der auditorischen Hirnstammantwort und verbesserte die Erholung der otoakustischen Distorsionsprodukt-Emissionen, während die Morphologie der Cochlea durch Unterdrückung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) erhalten blieb. Bei DIHL schützte inhalierter H₂ Haarzellen und Spiralganglienneurone durch das Abfangen von ROS und die Hemmung der Apoptose. Klinisch verbesserte die H₂-Inhalation das Hörvermögen bei RIHL-Patienten nach Strahlentherapie. Eine randomisierte Studie bei ISSNHL zeigte, dass H₂ in Kombination mit der Standardtherapie die Hörerholung signifikant verbesserte. SCHLUSSFOLGERUNG: H₂ zeigt schützende Wirkungen in präklinischen NIHL- und DIHL-Modellen und vielversprechende Ergebnisse bei klinischem RIHL und ISSNHL, vor allem über antioxidative und entzündungshemmende Mechanismen. Weitere Studien sind nötig, um optimale Protokolle festzulegen und die Wirksamkeit zu bestätigen.
Original-Abstract (englisch)
BACKGROUND: Hydrogen (H 2 ) therapy demonstrates selective antioxidant and anti-inflammatory properties with potential therapeutic value for multiple forms of hearing loss, though consolidated evidence is still lacking. METHODS: We conducted a systematic review following Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses guidelines, searching PubMed, MEDLINE, and DOAJ (until March 1, 2025) for studies on H 2 treatment for noise-induced hearing loss (NIHL), drug-induced hearing loss (DIHL), radiotherapy-induced hearing loss (RIHL), and idiopathic sudden sensorineural hearing loss (ISSNHL). After screening by two reviewers, 11 studies involving human or animal subjects were included. Data were synthesized by hearing loss type, and the Systematic Review Centre for Laboratory Animal Experimentation tool assessed bias risk in animal studies. RESULTS: In NIHL models, H 2 administration reduced Auditory Brainstem Response threshold shifts and improved Distortion Product Otoacoustic Emissions recovery, while preserving cochlear morphology via reactive oxygen species (ROS) suppression. For DIHL, inhaled H 2 protected hair cells and spiral ganglion neurons through ROS scavenging and apoptosis inhibition. Clinically, H 2 inhalation improved hearing in RIHL patients post-radiotherapy. One randomized trial in ISSNHL showed H 2 combined with standard therapy significantly enhanced hearing recovery. CONCLUSION: H 2 exhibits protective effects in preclinical NIHL and DIHL models, and promising outcomes in clinical RIHL and ISSNHL, primarily via antioxidative and anti-inflammatory mechanisms. Further trials are required to establish optimal protocols and confirm efficacy.
Quelle & Links
Screenshot der PubMed-Seite
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