2016 · Verghese — Komplementäre Therapien beim Blasenschmerzsyndrom: eine systematische Übersichtsarbeit
Kurzfassung
Eine systematische Übersichtsarbeit zu komplementären Behandlungsoptionen beim Blasenschmerzsyndrom identifizierte Ernährungsmanagement, Akupunktur und Physiotherapie als Ansätze mit dem größten Nutzenpotenzial — wasserstoffreiche Therapie war eine der untersuchten Interventionen. Die Autoren betonen, dass sämtliche Befunde aus kleinen Studien stammen und große, methodisch solide randomisierte Studien weiterhin fehlen. (International Urogynecology Journal, 2016.)
Kommentar
Diese nach PRISMA-Leitlinien durchgeführte systematische Übersichtsarbeit sichtete 1.454 Zitate und identifizierte 11 Studien, die die Einschlusskriterien erfüllten (4 RCTs, 7 prospektive Studien). Zu den untersuchten Interventionen gehörten Akupunktur, Entspannungstherapie, Physiotherapie, wasserstoffreiche Therapie, Ernährungsmanagement und die Modulation der Stickoxid-Synthetase. Der Review ist insofern bemerkenswert, als er eine der wenigen systematischen Evidenzzusammenfassungen darstellt, die wasserstoffreiche Therapie als untersuchte Intervention bei dieser Erkrankung aufführen. Die Gesamtqualität der Evidenz wurde jedoch als niedrig eingestuft, die eingeschlossenen Studien waren klein, und die Autoren fordern ausdrücklich methodisch robuste multizentrische RCTs, bevor eine dieser Behandlungsoptionen zuverlässig empfohlen werden kann. Da der Review keine Effektgrößen oder metaanalytische Zusammenführung bietet, ist sein Informationsgehalt über eine narrative Übersicht hinaus begrenzt.
Wichtige Zitate
- „Die wichtigsten untersuchten Interventionen waren Akupunktur, Entspannungstherapie, Physiotherapie, wasserstoffreiche Therapie, Diät und Stickoxid-Synthetase.“ Original (EN): „The key interventions studied were acupuncture, relaxation therapy, physical therapy, hydrogen-rich therapy, diet and nitric oxide synthetase.“ — wasserstoffreiche Therapie erscheint explizit in der Liste der untersuchten Interventionen
- „Therapien mit potenziellem Nutzen für Patientinnen mit Blasenschmerzsyndrom sind Ernährungsmanagement, Akupunktur und Physiotherapie.“ Original (EN): „Therapies with the potential for benefit in patients with bladder pain syndrome are dietary management, acupuncture and physical therapy.“ — Hauptschlussfolgerung der Autoren zu den vielversprechendsten Ansätzen
- „Diese Befunde wurden aus kleinen Studien gewonnen, weshalb Vorsicht geboten ist. Es sind methodisch solide, multizentrische RCTs zu diesen komplementären Therapien erforderlich, um Patientinnen und Kliniker zu leiten.“ Original (EN): „These findings were obtained from small studies and hence caution is advised. Robustly designed multicentre RCTs on these complementary therapies are needed to guide patients and clinicians.“ — explizite Warnung: die Evidenzlage reicht für gesicherte Empfehlungen nicht aus
Unsere Einordnung
Dies ist eine Literaturübersicht, kein Experiment — sie fasst bestehende kleine Studien narrativ zusammen. Wasserstoffreiche Therapie wird als eine von mehreren untersuchten Interventionen erwähnt, jedoch ohne detaillierte Analyse der wasserstoffspezifischen Studien und ohne gesonderte Schlussfolgerungen dazu. Die Gesamtevidenz für alle geprüften Komplementärtherapien ist niedrig. Aus dieser Arbeit lässt sich keine klinische Empfehlung für Wasserstofftherapie beim Blasenschmerzsyndrom ableiten. Ihr Wert liegt darin, dass das Thema in der systematischen Review-Literatur erscheint und der klare Ruf nach größeren, besser konzipierten Studien formuliert wird.
Studiendesign
- Typ: systematische Übersichtsarbeit (PRISMA) · n: 11 eingeschlossene Studien (4 RCTs, 7 prospektive Studien) aus 1.454 gesichteten Zitaten · H₂-Gabe: wasserstoffreiche Therapie (Details der Einzelstudien im Review nicht aufgeschlüsselt)
- Ergebnis: nur narrative Synthese; Ernährungsmanagement, Akupunktur und Physiotherapie als potenziell nützlich identifiziert; wasserstoffreiche Therapie unter den untersuchten Interventionen gelistet; alle Befunde aus kleinen Studien; Autoren fordern multizentrische RCTs
Abstract (deutsche Übersetzung)
Einleitung und Hypothese: Das Blasenschmerzsyndrom ist eine schwer zu behandelnde Erkrankung. Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit ist die Bewertung der Wirksamkeit verschiedener verfügbarer komplementärer Therapien. Methoden: Der Review wurde nach den PRISMA-Leitlinien durchgeführt. Zitate wurden mittels einer umfassenden Datenbanksuche ermittelt (von Beginn bis Juli 2014: CINAHL, Cochrane, EMBASE, Medline und SIGEL sowie graue Literatur). Studien, die die Einschlusskriterien erfüllten, wurden ausgewählt. Einschlusskriterien waren: Frauen mit Blasenschmerzsyndrom, eine Intervention mit alternativen/komplementären Therapien und ein Ergebnis in Form einer Symptomverbesserung. Informationen zu Studienmerkmalen und primären Endpunkten wurden zusammengestellt. Die Cochrane-Skala zur Bewertung des Verzerrungsrisikos wurde zur Beurteilung der Qualität der eingeschlossenen Studien verwendet. Ergebnisse: Insgesamt wurden 1.454 Zitate identifiziert; 11 Studien erfüllten die Einschlusskriterien (4 randomisierte kontrollierte Studien und 7 prospektive Studien). Die wichtigsten untersuchten Interventionen waren Akupunktur, Entspannungstherapie, Physiotherapie, wasserstoffreiche Therapie, Diät und Stickoxid-Synthetase. Schlussfolgerung: Therapien mit potenziellem Nutzen für Patientinnen mit Blasenschmerzsyndrom sind Ernährungsmanagement, Akupunktur und Physiotherapie. Diese Befunde wurden aus kleinen Studien gewonnen, weshalb Vorsicht geboten ist. Es sind methodisch solide, multizentrische RCTs zu diesen komplementären Therapien erforderlich, um Patientinnen und Kliniker zu leiten.
Original-Abstract (englisch)
INTRODUCTION AND HYPOTHESIS: Bladder pain syndrome is a difficult condition to treat. The purpose of this systematic review is to assess the effectiveness of various complementary therapies available for treatment. METHODS: This review was conducted in adherence with Preferred Reporting Items for Systematic Reviews. Citations were retrieved using a comprehensive database search (from inception to July 2014: CINAHL, Cochrane, EMBASE, Medline and SIGEL and grey literature). Studies that fulfilled the inclusion criteria were selected. Eligibility consisted of women with bladder pain syndrome, an intervention of alternative/complementary therapies and an outcome of improvement of symptoms. Information regarding study characteristics and primary outcomes was collated. The Cochrane risk of bias scale was used to evaluate the quality of the studies included. RESULTS: A total of 1,454 citations were identified, 11 studies fulfilled the inclusion criteria (4 randomised control trials [RCTs] and 7 prospective studies). The key interventions studied were acupuncture, relaxation therapy, physical therapy, hydrogen-rich therapy, diet and nitric oxide synthetase. CONCLUSION: Therapies with the potential for benefit in patients with bladder pain syndrome are dietary management, acupuncture and physical therapy. These findings were obtained from small studies and hence caution is advised. Robustly designed multicentre RCTs on these complementary therapies are needed to guide patients and clinicians.
Quelle & Links
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