1991 Journal of bone and mineral research : the official journal of the American Society for Bone and Mineral Research Pilot / Beobachtung
1991 · Slemenda et al. — Kein Hinweis auf einen Effekt eines Lactasemangels auf die Knochenmasse bei prä- oder postmenopausalen Frauen
Kurzfassung
Bei 342 erwachsenen Zwillingsfrauen zeigte ein Lactasemangel keinen nachweisbaren negativen Effekt auf die Knochenmasse an einem Skelettsstand. Interessanterweise war der Basis-Atemwasserstoff — ein Marker bakterieller Darmaktivität — positiv mit der Knochenmasse assoziiert, unabhängig vom Alter. Atemwasserstoff dient hier als diagnostischer Lactase-Aktivitätsmarker, nicht als Therapeutikum. (Journal of Bone and Mineral Research, 1991.)
Kommentar
Diese Zwillingsstudie befasst sich mit der Hypothese, dass Lactasemangel — bei Erwachsenen häufig — durch verminderte Kalziumresorption aus Milch zur niedrigen Knochenmasse beiträgt. Die Antwort ist klar negativ: Die Knochenmasse war bei Lactasemangel-Frauen und Frauen mit normaler Lactaseaktivität nahezu identisch, sogar in einer großen Zwillingspaar-Analyse, die für Genetik kontrolliert. Der unerwartete Nebenbefund — höherer Ruhe-Atemwasserstoff verbunden mit höherer Knochenmasse — ist faszinierend und könnte auf eine Rolle von Dickdarmbakterien beim Knochenstoffwechsel hinweisen, ist aber spekulativ. Atemwasserstoff ist durchgängig ein Fermentations-Diagnosewerkzeug und völlig unabhängig von H₂-Therapie.
Wichtige Zitate
- „In dieser großen Stichprobe konnten wir keinen Hinweis auf einen schädlichen Effekt des Lactasemangels auf die Knochenmasse Erwachsener finden.“ Original (EN): „In this large sample we could find no evidence of a detrimental effect of lactase deficiency on adult bone mass.“ — klares Null-Ergebnis — die Haupthypothese wird abgelehnt
- „Basis-Atemwasserstoff war durchgehend und positiv mit der Knochenmasse an allen Standorten assoziiert, unabhängig vom Alter.“ Original (EN): „Baseline expired hydrogen was consistently and positively associated with bone mass at all sites, independently of age.“ — unerwarteter Nebenbefund — möglicher Mikrobiom-Knochenstoffwechsel-Zusammenhang
- „Die Korrelationen zwischen dem Anstieg des ausgeatmeten Wasserstoffs und der Knochenmasse an verschiedenen Stellen lagen zwischen -0,02 (Femurhalz) und 0,11 (mittlerer Radius), was auf keinen Zusammenhang zwischen diesen Variablen hindeutet.“ Original (EN): „The correlations between the increase in expired hydrogen and bone mass at various sites were between -0.02 (femoral neck) and 0.11 (midshaft radius), suggesting no association between these variables.“ — kein Zusammenhang zwischen Lactase-induziertem H₂-Anstieg und Knochenmasse
Unsere Einordnung
Wichtiger Hinweis: Diese Studie untersucht molekularen Wasserstoff (H₂) nicht als therapeutische Intervention. Atemwasserstoff wird als diagnostischer Marker für Lactasemangel via Laktulose-Atemwasserstofftest eingesetzt — ein Standard-Gastroenterologie-Screening-Werkzeug. Das Studienthema ist Knochenstoffwechsel und Lactase-Genetik. Design: große Zwillingsstudie (n = 342), gut kontrolliert für Störgrößen. Limitationen: Querschnittsdesign kann keine Kausalität belegen; DZ-Zwillinge nur für diskordante Paaranalyse; der faszinierende Darmbakterien/Knochenmasse-Zusammenhang ist exploratorisch und erfordert unabhängige Replikation. Nicht relevant für H₂-Therapie.
Studiendesign
- Typ: Querschnitts-Zwillingsstudie · n: 342 erwachsene Zwillingsfrauen (prä- und postmenopausal) · H₂-Gabe: keine — Laktulose-Atemwasserstofftest als diagnostischer Lactasemangel-Marker
- Ergebnis: kein Unterschied in der Knochenmasse zwischen Lactasemangel-Frauen und normalen Frauen an einer Stelle; Unterschiede ≤ 1 %; unerwarteter positiver Zusammenhang zwischen Ruhe-Atemwasserstoff und Knochenmasse an allen Stellen (altersunabhängig)
Abstract (deutsche Übersetzung)
Die potenzielle Rolle des Lactasemangels bei der Entwicklung niedriger Knochenmasse wurde bei 342 erwachsenen Zwillingsfrauen untersucht. Verminderte Lactaseaktivität, definiert als Anstieg des ausgeatmeten Wasserstoffs um mehr als 20 ppm 2 oder 2,5 h nach einer oralen Lactosebelastung, wurde untersucht: (1) durch Vergleich der Knochenmasse zwischen Mitgliedern von Zwillingspaaren, die sich hinsichtlich der Lactaseaktivität unterschieden; (2) durch Untersuchung des linearen Zusammenhangs zwischen Knochenmasse und gesamtem ausgeatmeten Wasserstoffgas; und (3) durch Vergleich aller Lactasemangel-Personen mit jenen mit persistenter Lactaseaktivität. Bei Mitgliedern diskordanter (überwiegend DZ) Paare hatte das Lactasemangel-Mitglied in 54 % der Fälle eine höhere Knochenmasse. Die Korrelationen zwischen dem Anstieg des ausgeatmeten Wasserstoffs und der Knochenmasse lagen zwischen -0,02 und 0,11, was auf keinen Zusammenhang hindeutet. Schließlich wurden alle Lactasemangel-Probanden mit jenen mit normaler Lactaseaktivität verglichen, und an jedem Skelettsstand betrugen die Unterschiede in der Knochenmasse 1 % oder weniger. Somit wurden alle primären Hypothesen durch diese Daten nicht gestützt; in dieser großen Stichprobe konnte kein Hinweis auf einen schädlichen Effekt des Lactasemangels auf die Knochenmasse Erwachsener gefunden werden. Basis-Atemwasserstoff war jedoch durchgehend und positiv mit der Knochenmasse an allen Standorten assoziiert, unabhängig vom Alter, was die Möglichkeit nahelegt, dass ein Aspekt der Darmfunktion im Zusammenhang mit der Aktivität bakterieller Anaerobier positiv mit der Knochenmasse assoziiert sein könnte.
Original-Abstract (englisch)
The potential role for lactase deficiency in the development of low bone mass was examined in 342 adult female twins. Diminished lactase activity, defined as greater than 20 ppm increase in expired hydrogen at 2 or 2.5 h after an oral lactose load, was examined: (1) by comparing bone mass between members of twin pairs discordant for lactase activity; (2) by examining the linear association between bone mass and total expired hydrogen gas; and (3) by comparing all lactase-deficient individuals to those with persistent lactase activity. Among members of discordant (primarily DZ) pairs, the lactase-deficient member had greater bone mass 54% of the time. The correlations between the increase in expired hydrogen and bone mass at various sites were between -0.02 (femoral neck) and 0.11 (midshaft radius), suggesting no association between these variables. Finally, all lactase-deficient subjects were compared with those with normal lactase activity, regardless of twin status, and at each skeletal site the differences in bone mass were 1% or less. Thus, all primary hypotheses were not supported by these data; that is, in this large sample we could find no evidence of a detrimental effect of lactase deficiency on adult bone mass. However, baseline expired hydrogen was consistently and positively associated with bone mass at all sites, independently of age, suggesting the possibility that some aspect of intestinal function related to the activity of bacterial anaerobes may be positively associated with bone mass.
Quelle & Links
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