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2023 · Saif-Ur-Rahman et al. — Wirkung medikamentöser Interventionen zur Behandlung von Menschen mit Post-COVID-19-Erkrankung: eine Schnellübersicht

Originaltitel: Effect of pharmacological interventions for the treatment of people with post-COVID-19 condition: A rapid review.

Kurzfassung

Diese Schnellübersicht zu medikamentösen Behandlungen bei Post-COVID-19 berichtet unter eingeatmetem Wasserstoff bessere Werte für Vitalkapazität, forciertes Exspirationsvolumen und 6-Minuten-Gehstrecke, stuft die Evidenz für alle Behandlungen aber als niedrig bis sehr niedrig ein. Die Übersicht fand 5 abgeschlossene und 41 laufende Studien. Laut Volltext stammen die Wasserstoffdaten aus einer einzigen randomisierten Studie mit 50 Teilnehmenden, die gegenüber Raumluft keinen Unterschied bei Atemnot oder Sauerstoffsättigung in Ruhe fand. (Cochrane Evidence Synthesis and Methods, 2023.)

Klassifiziert als Review / Meta-Analyse-Studie mit Inhalation. Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Über die Behandlung der Post-COVID-19-Erkrankung ist wenig bekannt, und diese Schnellübersicht untersuchte medikamentöse Behandlungen dafür, laut Volltext als Grundlage für eine WHO-Leitlinie. Die Autoren durchsuchten Medline, EMBASE, ClinicalTrials.gov und die International Clinical Trials Registry Platform, laut Volltext für Januar 2020 bis Mai 2022 und nur auf Englisch. Zwei Gutachter sichteten die Zitate, extrahierten die Daten und bewerteten die Qualität. Wegen der Heterogenität wurden die Daten narrativ zusammengefasst, die Vertrauenswürdigkeit wurde mit GRADE bewertet. Die abgeschlossenen Studien prüften Kortikosteroide für den Geruchssinn, Ivabradin bei Sinustachykardie und eingeatmeten Wasserstoff für die Atemfunktion. Laut Volltext randomisierte die Wasserstoffstudie 50 Personen (26 Wasserstoff, 24 Kontrolle), die 21 bis 35 Tage zuvor positiv getestet worden waren. Sie atmeten 14 Tage lang zweimal täglich 60 Minuten Wasserstoff mit 300 mL/min ein, die Kontrollgruppe atmete Raumluft. Zu den Endpunkten gehörten Vitalkapazität, forciertes Exspirationsvolumen, 6-Minuten-Gehstrecke, Sauerstoffsättigung und Atemnot. Die Wasserstoffkonzentration wird nicht angegeben.

Wichtige Zitate

  1. „Teilnehmende, die eingeatmeten Wasserstoff erhielten, hatten eine verbesserte Vitalkapazität (MD: 0,20, 95-%-KI: 0,07 bis 0,33), ein verbessertes forciertes Exspirationsvolumen (MD: 0,19, 95-%-KI: 0,04 bis 0,34) und einen besseren 6-Minuten-Gehtest (MD: 55,0, 95-%-KI: 36,04 bis 73,96).“ Original (EN): „Participants allocated to inhaled hydrogen therapy had an improved vital capacity (MD: 0.20, 95% CI: 0.07 to 0.33), forced expiratory volume (MD: 0.19, 95% CI: 0.04 to 0.34), 6-minute walk test (MD: 55.0, 95% CI: 36.04 to 73.96).“ — das Ergebnis der Übersicht für eingeatmeten Wasserstoff zu Lungenfunktion und Gehstrecke
  2. „Wegen der Heterogenität bei Teilnehmenden, Interventionen und Endpunkten fassten wir die Daten narrativ zusammen.“ Original (EN): „Due to heterogeneity in participants, interventions, and outcomes, we synthesized data narratively.“ — keine gepoolte Analyse, die Studien wurden einzeln beschrieben
  3. „Die Evidenz zur Wirkung aller untersuchten medikamentösen Interventionen bei Menschen mit PCC ist von niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit.“ Original (EN): „The evidence is of low to very low certainty about the effect of all pharmacological interventions investigated for the treatment of people with PCC.“ — das Fazit der Autoren zur Vertrauenswürdigkeit, das auch das Wasserstoffergebnis umfasst

Unsere Einordnung

Dies ist eine Schnellübersicht mit verkürzten Methoden, und Wasserstoff ist eine von mehreren Behandlungen darin. Die Wasserstoffergebnisse beruhen auf einer randomisierten Studie mit 50 Teilnehmenden und 14 Tagen Nachbeobachtung (laut Volltext). Vitalkapazität, forciertes Exspirationsvolumen und Gehstrecke verbesserten sich gegenüber Raumluft. Laut Volltext unterschieden sich Atemnot und Sauerstoffsättigung in Ruhe nicht, und die Übersicht stufte die Evidenz wegen Verzerrungsrisiko (unzureichende verdeckte Zuteilung, keine Verblindung der Endpunkterheber), Ungenauigkeit und Indirektheit ab. Einschränkungen: Lungenfunktion und Gehstrecke sind Surrogatmaße. Laut Volltext wurden nur zwei Datenbanken und zwei Studienregister durchsucht, und keine der eingeschlossenen Studien verwendete die WHO-Definition der Post-COVID-19-Erkrankung. Die Kontrollgruppe atmete Raumluft. Das Abstract nennt keine Wasserstoffdosis und keine unerwünschten Ereignisse. Wie die Autoren schreiben, bleibt die Wirkung von eingeatmetem Wasserstoff bei der Post-COVID-19-Erkrankung unsicher.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

ZIEL: Über die Behandlung der Post-COVID-19-Erkrankung (post-coronavirus disease 2019 condition, PCC) ist wenig bekannt. Dieser Artikel untersucht die Wirksamkeit medikamentöser Interventionen zur Behandlung von Menschen mit PCC. METHODEN: Wir durchsuchten Medline, EMBASE, ClinicalTrials.gov und die International Clinical Trials Registry Platform. Zwei unabhängige Review-Autoren sichteten die Zitate, extrahierten die Daten und bewerteten die Qualität der eingeschlossenen Studien. Wegen der Heterogenität bei Teilnehmenden, Interventionen und Endpunkten fassten wir die Daten narrativ zusammen. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewerteten wir mit GRADE (Grading of Recommendations, Assessment, Development, and Evaluation). TEILNEHMENDE: Menschen mit PCC. INTERVENTIONEN: Zu den medikamentösen Interventionen gehören Kortikosteroide, Ivabradin und eingeatmeter Wasserstoff. ENDPUNKTE: Riechfunktion, Sinustachykardie, Atemfunktion. ERGEBNISSE: Wir fanden 5 abgeschlossene und 41 laufende Studien. Orale Kortikosteroide plus Riechtraining führten nach 10 Wochen zu höheren Riechwerten (MD: 5,60, 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,41 bis 9,79). Patienten, denen orale Kortikosteroide und Nasenspülungen zugeteilt wurden, zeigten nach 40 Tagen eine bessere Erholung der Riechfunktion als die Kontrollgruppe (Median 60, Interquartilsabstand [IQR]: 40, gegenüber Median 30, IQR: 25, p = 0,024). Patienten, denen ein kortikosteroidhaltiges Nasenspray zur lokalen Anwendung und Riechtraining zugeteilt wurden, zeigten nach 2 Wochen eine bessere Erholung der Riechfunktion (Median 7, IQR: 5–10, gegenüber Median 5, IQR: 2–8, p = 0,08). Teilnehmende unter Ivabradin hatten eine stärkere mittlere Senkung der Herzfrequenz als Teilnehmende, die zufällig Carvedilol erhielten (MD: −4,24, 95-%-KI: −10,09 bis 1,61). Teilnehmende, die eingeatmeten Wasserstoff erhielten, hatten eine verbesserte Vitalkapazität (MD: 0,20, 95-%-KI: 0,07 bis 0,33), ein verbessertes forciertes Exspirationsvolumen (MD: 0,19, 95-%-KI: 0,04 bis 0,34) und einen besseren 6-Minuten-Gehtest (MD: 55,0, 95-%-KI: 36,04 bis 73,96). SCHLUSSFOLGERUNG: Die Evidenz zur Wirkung aller untersuchten medikamentösen Interventionen bei Menschen mit PCC ist von niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit. Derzeit läuft eine erhebliche Zahl von Studien, die die Evidenz für Behandlungsentscheidungen zu medikamentösen Interventionen bei PCC erweitern könnten.
Original-Abstract (englisch)
OBJECTIVE: Little is known about the treatment of post-coronavirus disease 2019 (COVID-19) condition (PCC). This article examines the effectiveness of pharmacological interventions for treating people with PCC. METHODS: We searched Medline, EMBASE, ClinicalTrials. gov, and the International Clinical Trials Registry Platform. Two independent review authors screened citations, extracted data, and assessed the quality of the included studies. Due to heterogeneity in participants, interventions, and outcomes, we synthesized data narratively. We assessed the certainty of evidence using GRADE (Grading of Recommendations, Assessment, Development, and Evaluation). PARTICIPANTS: People with PCC. INTERVENTIONS: Pharmacological interventions include corticosteroids, ivabradine, and inhaled hydrogen. OUTCOME MEASURES: Olfactory function, sinus tachycardia, respiratory function. RESULTS: We identified 5 completed studies and 41 ongoing studies. Oral corticosteroids and olfactory training had higher olfactory scores after 10 weeks (MD: 5.60, 95% confidence interval [CI]: 1.41 to 9.79). Patients allocated oral corticosteroid, and nasal irrigation demonstrated improved recovery of olfactory function compared with the control group at 40 days (median 60, interquartile range [IQR]: 40 vs. median 30, IQR: 25, p = 0.024). Patients allocated to topical corticosteroid nasal spray and olfactory training had improved recovery of olfactory function after 2 weeks (median 7, IQR: 5-10 vs. median 5, IQR: 2-8, p = 0.08). Participants allocated to ivabradine had a greater mean reduction in heart rate compared with participants randomized to carvedilol (MD: -4.24, 95% CI: -10.09 to 1.61). Participants allocated to inhaled hydrogen therapy had an improved vital capacity (MD: 0.20, 95% CI: 0.07 to 0.33), forced expiratory volume (MD: 0.19, 95% CI: 0.04 to 0.34), 6-minute walk test (MD: 55.0, 95% CI: 36.04 to 73.96). CONCLUSIONS: The evidence is of low to very low certainty about the effect of all pharmacological interventions investigated for the treatment of people with PCC. There is currently a significant body of research underway that could expand the evidence to inform treatment decisions on pharmacological interventions for PCC.

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

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