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2021 · Hirano — Schützende Wirkungen der Wasserstoffgas-Inhalation auf strahleninduzierte Knochenmarkschäden bei Krebspatienten: eine retrospektive Beobachtungsstudie

Originaltitel: Protective effects of hydrogen gas inhalation on radiation-induced bone marrow damage in cancer patients: a retrospective observational study

Kurzfassung

Wasserstoff-Inhalation milderte die Knochenmarkschäden durch Bestrahlung — ohne die Tumorwirkung zu schwächen. Bei Krebspatienten unter intensitätsmodulierter Strahlentherapie hielt 5 % H₂-Gas den Abfall von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen signifikant in Grenzen (p = 0,0011 bzw. p = 0,0275). (Medical Gas Research, 2021 — kleine retrospektive Beobachtungsstudie.)

Klassifiziert als Pilot / Beobachtung-Studie mit Inhalation. Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Moderne Strahlentherapie (IMRT) ist präziser als früher, schädigt aber immer noch das Knochenmark — die Blutbildung leidet. Diese Studie aus einer Klinik in Tokio prüfte rückblickend, ob H₂-Gas das abmildert. Verglichen wurden zwei Gruppen: eine Kontrollgruppe (n = 7) erhielt nach jeder Bestrahlung 30 Minuten milde hyperbare Sauerstofftherapie, die H₂-Gruppe (n = 16) atmete stattdessen 30 Minuten lang 5 % H₂-Gas. Das Ergebnis: In beiden Gruppen sanken weiße Blutkörperchen und Blutplättchen durch die Bestrahlung — aber in der H₂-Gruppe deutlich weniger stark (weiße Blutkörperchen p = 0,0011, Blutplättchen p = 0,0275). Rote Blutkörperchen, Hämoglobin und Hämatokrit blieben unbeeinflusst. Entscheidend für die Onkologie: Das Ansprechen des Tumors auf die Bestrahlung war in beiden Gruppen ähnlich — H₂ schützte also das gesunde Gewebe, ohne den Therapieeffekt zu sabotieren. Ehrlich dazu: Das ist eine kleine retrospektive Beobachtungsstudie (zusammen nur 23 Patienten), keine randomisierte Studie. Die Gruppen waren altersmäßig unterschiedlich, und die Kontrolle bekam eine andere Behandlung (Sauerstoff) statt eines echten Placebos. Für einen belastbaren Beleg braucht es kontrollierte Studien.

Wichtige Zitate

  1. „Die H2-Gas-Behandlung mildert die reduzierenden Effekte auf weiße Blutkörperchen und Blutplättchen signifikant (P = 0,0011 bzw. P = 0,0275).“ Original (EN): „H2 gas treatment significantly alleviates the reducing effects of white blood cells and platelets (P = 0.0011 and P = 0.0275, respectively).“ — signifikant geringerer Abfall von Leukozyten und Thrombozyten unter H₂
  2. „Das Ansprechen des Tumors auf die IMRT war zwischen den beiden Gruppen ähnlich.“ Original (EN): „Tumor responses to IMRT were similar between the two groups.“ — kein Hinweis, dass H₂ die Tumorwirkung der Bestrahlung schwächt
  3. „Die Wasserstoffgas-Inhalationstherapie milderte die IMRT-induzierten Knochenmarkschäden, ohne die Antitumor-Effekte der IMRT zu beeinträchtigen.“ Original (EN): „H2 gas inhalation therapy alleviated IMRT-induced bone marrow damage without compromising the anti-tumor effects of IMRT.“ — Kernaussage: Schutz des Knochenmarks ohne Verlust der Strahlenwirkung

Unsere Einordnung

Sehr relevant für das Narrativ „H₂ schützt gesundes Gewebe selektiv“ — hier konkret als Begleittherapie zur Krebsbehandlung. Das Argument „mildert Nebenwirkungen, ohne die Therapie zu schwächen“ ist stark, weil es genau die Sorge angeht, ein Antioxidans könnte die Strahlenwirkung neutralisieren. Mechanistisch passt es zu Ohsawa 2007 (selektives Abfangen von Hydroxyl-Radikal und Peroxynitrit). Limitationen ehrlich: retrospektiv, sehr klein (n = 16 vs. 7), keine Randomisierung, keine echte Placebokontrolle (Vergleichsgruppe erhielt hyperbaren Sauerstoff), unterschiedliche Altersverteilung. Einordnung als Pilot-/Beobachtungsevidenz. Wichtig: kein Heilversprechen — H₂ ersetzt keine onkologische Therapie, sondern wird hier nur als unterstützende Maßnahme untersucht.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

Obwohl die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) als Alternative zur konventionellen Strahlentherapie entwickelt wurde, ist die Reduzierung der Knochenmarkschäden begrenzt. Daher wird eine neuartige Technologie benötigt, um die IMRT-induzierten Knochenmarkschäden weiter zu mindern. Molekularer Wasserstoff (H2) wurde kürzlich als vorbeugendes und therapeutisches Antioxidans beschrieben, das selektiv Hydroxyl-Radikale (·OH) und Peroxynitrit (ONOO-) abfängt. Diese Beobachtungsstudie zielte darauf ab zu untersuchen, ob die H2-Gas-Behandlung die IMRT-induzierten Knochenmarkschäden bei Krebspatienten verbessert. Die Studie wurde zwischen Mai 2015 und November 2016 in der Klinik C4 in Tokio, Japan, durchgeführt. In diesem Zeitraum erhielten alle eingeschlossenen Patienten 1 bis 4 Wochen lang einmal täglich IMRT. Nach jeder IMRT erhielten die Patienten der Kontrollgruppe (n = 7, 3 Männer und 4 Frauen, Altersbereich 26–70 Jahre) 30 Minuten lang eine milde hyperbare Sauerstofftherapie in einer Health-Care-Kammer, und die Patienten der H2-Gruppe (n = 16, 8 Männer und 8 Frauen, Altersbereich 35–82 Jahre) erhielten einmal täglich 30 Minuten lang 5 % H2-Gas in einer Health-Care-Kammer. Strahleninduzierte Knochenmarkschäden wurden durch hämatologische Untersuchung von peripherem Blut vor und nach der IMRT bewertet, und die Daten wurden als Verhältnis nach zu vor der Behandlung ausgedrückt. Die Gesamtzahl der Bestrahlungen und die Gesamtexpositionsdosen der Strahlung waren zwischen der Kontroll- und der H2-Gruppe ähnlich. Die IMRT mit Health-Care-Kammer-Therapie reduzierte signifikant die weißen Blutkörperchen und Blutplättchen, jedoch nicht die roten Blutkörperchen, das Hämoglobin und den Hämatokrit. Im Gegensatz dazu mildert die H2-Gas-Behandlung die reduzierenden Effekte auf weiße Blutkörperchen und Blutplättchen signifikant (P = 0,0011 bzw. P = 0,0275). Das Ansprechen des Tumors auf die IMRT war zwischen den beiden Gruppen ähnlich. Die erzielten Ergebnisse zeigten, dass die Wasserstoffgas-Inhalationstherapie die IMRT-induzierten Knochenmarkschäden milderte, ohne die Antitumor-Effekte der IMRT zu beeinträchtigen. Die vorliegende Studie legt nahe, dass dieser neuartige Ansatz der Wasserstoffgas-Inhalationstherapie bei IMRT-induzierten Knochenmarkschäden bei Krebspatienten anwendbar sein könnte. Das Studienprotokoll wurde am 1. Februar 2019 von einem Ethikkomitee des Tokyo Clinic and Research Institute ICVS Incorporated (Tokio, Japan) genehmigt und am 20. Februar 2019 im University Hospital Medical Information Network (UMIN) Clinical Trials Registry registriert (UMIN-ID: UMIN000035864).
Original-Abstract (englisch)
Although intensity-modulated radiation therapy (IMRT) has been developed as an alternative to conventional radiotherapy, reducing bone marrow damage is limited. Thus, a novel technology is needed to further mitigate IMRT-induced bone marrow damage. Molecular hydrogen (H2) was recently reported as a preventive and therapeutic antioxidant that selectively scavenges hydroxyl radical (·OH) and peroxynitrite (ONOO-). This observational study aimed to examine whether H2 gas treatment improves IMRT-induced bone marrow damage in cancer patients. The study was performed at Clinic C4 in Tokyo, Japan between May 2015 and November 2016. During this period, all enrolled patients received IMRT once per day for 1 to 4 weeks. After each time of IMRT, the patients of control group (n = 7, 3 men and 4 women, age range: 26-70 years) received mild hyperbaric oxygen therapy in health care chamber for 30 minutes, and the patients of H2 group (n = 16, 8 men and 8 women, age range: 35-82 years) received 5% H2 gas in health care chamber for 30 minutes once per day. Radiation-induced bone marrow damage was evaluated by hematological examination of peripheral blood obtained before and after IMRT, and the data were expressed by the ratio after to before treatment. The total number of radiation times and total exposure doses of radiation were similar between the control and H2 groups. IMRT with health care chamber therapy significantly reduced white blood cells and platelets, but not red blood cells, hemoglobin and hematocrit. In contrast, H2 gas treatment significantly alleviates the reducing effects of white blood cells and platelets (P = 0.0011 and P = 0.0275, respectively). Tumor responses to IMRT were similar between the two groups. The results obtained demonstrated that H2 gas inhalation therapy alleviated IMRT-induced bone marrow damage without compromising the anti-tumor effects of IMRT. The present study suggests that this novel approach of H2 gas inhalation therapy may be applicable to IMRT-induced bone marrow damage in cancer patients. The study protocol was approved by an Ethics Committee Review of Tokyo Clinic and Research Institute ICVS Incorporated (Tokyo, Japan) on February 1, 2019, and was registered in the University Hospital Medical Information Network (UMIN) Clinical Trials Registry (UMIN ID: UMIN000035864) on February 20, 2019.

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

Screenshot — PubMed 33942780

Diese Seite spiegelt den veröffentlichten Abstract (© Autoren / Verlag) zur Referenz und Zitation. Die kanonische Quelle ist der oben verlinkte PubMed-Eintrag. Dies ist keine medizinische Beratung.