2024 · Gaboreau et al. — Molekularer Wasserstoff für ambulante Patienten mit COVID-19 (Hydro-COVID): randomisierte, dreifach verblindete, pragmatische, placebokontrollierte, multizentrische Phase-3-Studie
Kurzfassung
Bei 675 ambulanten Patienten mit leichter bis mittelschwerer COVID-19 verringerte wasserstoffreiches Wasser, 21 Tage lang zweimal täglich getrunken, die klinische Verschlechterung bis Tag 14 nicht gegenüber Placebo (46,1 % mit Wasserstoff, 43,5 % mit Placebo, Hazard Ratio 1,09). Unerwünschte Ereignisse, der zweite primäre Endpunkt, wurden bei 27 % und 26,2 % der Teilnehmer gemeldet. Bis Tag 30 gab es einen Todesfall in der Wasserstoffgruppe und zwei in der Placebogruppe. Das Abstract nennt weder die Wasserstoffkonzentration noch die Definition der klinischen Verschlechterung. (Journal of Clinical Medicine, 2024.)
Kommentar
Die Autoren prüften wasserstoffreiches Wasser (HRW) als Mittel, das Risiko eines Fortschreitens von COVID-19 zu senken, und beriefen sich dabei auf seine berichteten antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Die Phase-3-Studie war dreifach verblindet, randomisiert und placebokontrolliert. Laut Titel war sie zudem pragmatisch und multizentrisch angelegt. Aufgenommen wurden Patienten aus der hausärztlichen Versorgung mit leichter bis mittelschwerer, im Labor bestätigter COVID-19. Die Behandlung begann innerhalb von 5 Tagen nach Auftreten der ersten Anzeichen oder Symptome. Die Teilnehmer erhielten nach Zufallszuteilung HRW oder Placebo, jeweils zweimal täglich über 21 Tage. Die beiden primären Endpunkte waren die Häufigkeit einer klinischen Verschlechterung und unerwünschte Ereignisse. Insgesamt wurden 675 Teilnehmer bis Tag 30 nachbeobachtet. Das Abstract nennt weder die Wasserstoffkonzentration noch die Trinkmenge, die Zusammensetzung des Placebos, die Zahl der Teilnehmer je Gruppe oder die beteiligten Länder. Laut Volltext (PMC11313273) wurden in Frankreich und Serbien 700 Patienten randomisiert, 675 davon ausgewertet.
Wichtige Zitate
- „HRW war Placebo bei der Verhinderung einer klinischen Verschlechterung bis Tag 14 nicht überlegen: 46,1 % in der H2-Gruppe, 43,5 % in der Placebogruppe, Hazard Ratio 1,09, 90-%-Konfidenzintervall [0,90–1,31].“ Original (EN): „HRW was not superior to placebo in preventing clinical worsening at day 14: in H2 group, 46.1% in the H2 group, 43.5% in the placebo group, hazard ratio 1.09, 90% confidence interval [0.90-1.31].“ — der primäre Wirksamkeitsendpunkt: kein Vorteil von wasserstoffreichem Wasser gegenüber Placebo
- „Unerwünschte Ereignisse wurden bei 91 (27 %) bzw. 89 (26,2 %) Teilnehmern gemeldet.“ Original (EN): „Adverse events were reported in 91 (27%) and 89 (26.2%) participants, respectively.“ — der Sicherheitsendpunkt: unerwünschte Ereignisse traten etwa so häufig auf wie unter Placebo
- „HRW, ab Beginn der COVID-19-Symptome 21 Tage lang zweimal täglich eingenommen, verringerte die klinische Verschlechterung nicht.“ Original (EN): „HRW taken twice daily from the onset of COVID-19 symptoms for 21 days did not reduce clinical worsening.“ — die Schlussfolgerung der Autoren, klar als Nullbefund formuliert
Unsere Einordnung
Es handelt sich um eine große Phase-3-Studie mit dreifacher Verblindung und Placebokontrolle. Beim primären Wirksamkeitsendpunkt zeigte sich kein Nutzen: Eine klinische Verschlechterung trat mit wasserstoffreichem Wasser etwas häufiger auf als mit Placebo, und das Konfidenzintervall der Hazard Ratio (0,90 bis 1,31) schließt den Wert 1 (kein Unterschied) ein. Unerwünschte Ereignisse traten in beiden Gruppen fast gleich häufig auf. Bei einem gegenüber zwei Todesfällen lässt sich die Sterblichkeit nicht vergleichen. Einschränkungen: Das Abstract definiert die klinische Verschlechterung nicht und nennt weder die Wasserstoffdosis noch die Konzentration oder die Zusammensetzung des Placebos. Es gibt für die Hazard Ratio ein 90-%-Konfidenzintervall an und erklärt nicht, warum dieses Niveau gewählt wurde. Die Zahl der Randomisierten fehlt im Abstract; laut Volltext waren es 700, ausgewertet wurden 675. Das Ergebnis gilt für ambulante Patienten mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung, die innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn begannen, und nicht für schwere oder stationär behandelte COVID-19.
Studiendesign
- Typ: dreifach verblindete, randomisierte, placebokontrollierte Phase-3-Studie in der hausärztlichen Versorgung (laut Titel pragmatisch und multizentrisch) · n: 700 randomisiert, 675 ausgewertet (laut Volltext) · H₂-Gabe: wasserstoffreiches Wasser zweimal täglich über 21 Tage, Beginn innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn
- Vergleich: Placebo zweimal täglich über 21 Tage (Zusammensetzung im Abstract nicht angegeben)
- Ergebnis: klinische Verschlechterung bis Tag 14 (primär) 46,1 % gegenüber 43,5 %, Hazard Ratio 1,09 (90-%-KI 0,90–1,31), Placebo nicht überlegen. Unerwünschte Ereignisse (primär) 91 (27 %) gegenüber 89 (26,2 %). Todesfälle bis Tag 30: 1 gegenüber 2
Abstract (deutsche Übersetzung)
Hintergrund: Wegen seiner antioxidativen, entzündungshemmenden, antiapoptotischen und ermüdungshemmenden Eigenschaften ist molekularer Wasserstoff (H2) möglicherweise ein neuartiger therapeutischer Nährstoff für Patienten mit der akuten Coronavirus-Erkrankung 2019 (COVID-19). Wir bestimmten Wirksamkeit und Sicherheitsprofil von wasserstoffreichem Wasser (HRW) zur Senkung des Risikos eines Fortschreitens von COVID-19. METHODEN: Wir führten zudem eine dreifach verblindete, randomisierte, placebokontrollierte Phase-3-Studie durch, um eine innerhalb von 5 Tagen nach Auftreten von Anzeichen oder Symptomen begonnene Behandlung mit HRW bei Patienten der Primärversorgung mit leichter bis mittelschwerer, im Labor bestätigter COVID-19 zu bewerten. Die Teilnehmer erhielten nach Zufallszuteilung 21 Tage lang zweimal täglich HRW oder Placebo. Primäre Endpunkte waren die Häufigkeit einer klinischen Verschlechterung und unerwünschte Ereignisse. ERGEBNISSE: Insgesamt wurden 675 Teilnehmer bis Tag 30 nachbeobachtet. HRW war Placebo bei der Verhinderung einer klinischen Verschlechterung bis Tag 14 nicht überlegen: 46,1 % in der H2-Gruppe, 43,5 % in der Placebogruppe, Hazard Ratio 1,09, 90-%-Konfidenzintervall [0,90–1,31]. Bis Tag 30 wurde in der H2-Gruppe ein Todesfall gemeldet, in der Placebogruppe zwei. Unerwünschte Ereignisse wurden bei 91 (27 %) bzw. 89 (26,2 %) Teilnehmern gemeldet. SCHLUSSFOLGERUNGEN: HRW, ab Beginn der COVID-19-Symptome 21 Tage lang zweimal täglich eingenommen, verringerte die klinische Verschlechterung nicht.
Original-Abstract (englisch)
Background. Due to its antioxidant, anti-inflammatory, anti-apoptosis, and anti-fatigue properties, molecular hydrogen (H2) is potentially a novel therapeutic nutrient for patients with coronavirus acute disease 2019 (COVID-19). We determined the efficacy and safety profile of hydrogen-rich water (HRW) to reduce the risk of COVID-19 progression. Methods: We also conducted a phase 3, triple-blind, randomised, placebo-controlled trial to evaluate treatment with HRW initiated within 5 days after the onset of signs or symptoms in primary care patients with mild-to-moderate, laboratory-confirmed COVID-19. Participants were randomised to receive HRW or placebo twice daily for 21 days. The incidence of clinical worsening and adverse events were the primary endpoints. Results: A total of 675 participants were followed up to day 30. HRW was not superior to placebo in preventing clinical worsening at day 14: in H2 group, 46.1% in the H2 group, 43.5% in the placebo group, hazard ratio 1.09, 90% confidence interval [0.90-1.31]. One death was reported at day 30 in the H2 group and two in the placebo group at day 30. Adverse events were reported in 91 (27%) and 89 (26.2%) participants, respectively. Conclusions: HRW taken twice daily from the onset of COVID-19 symptoms for 21 days did not reduce clinical worsening.
Quelle & Links
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