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1998 · Ditto et al. — Ein einstündiger aktiver Bewältigungsstressor verkürzt die Dünndarmpassagezeit bei gesunden jungen Erwachsenen

Originaltitel: A one-hour active coping stressor reduces small bowel transit time in healthy young adults.

Kurzfassung

Eine einstündige Stressaufgabe (leichte Elektroschocks durch Videospiele vermeiden) verkürzte die Dünndarmpassagezeit von 79 auf 55 Minuten bei gesunden Männern. Die Verkürzung war mit kardialer Sympathikusaktivität verknüpft und deutet darauf hin, dass die Darm-Hirn-Achse rasch auf psychologischen Stress reagiert. Wasserstoff wird hier ausschließlich als diagnostischer Atemtest-Marker eingesetzt — nicht als Therapeutikum. (Psychosomatic Medicine, 1998.)

Klassifiziert als Pilot / Beobachtung-Studie mit . Siehe Methodik zur Evidenz-Einstufung.

Kommentar

Diese Studie untersucht die Darm-Hirn-Achse und den Effekt von akutem psychologischem Stress auf die Darmmotilität. Die Atemwasserstoff-Methode wird als standardmäßiges klinisches Werkzeug eingesetzt: Die Probanden nehmen Laktulose (ein nicht resorbierbares Kohlenhydrat) ein, und der Zeitpunkt, an dem der ausgeatmete Wasserstoff ansteigt, signalisiert, wann das Substrat den Dickdarm erreicht hat. Dies ist eine etablierte diagnostische Technik in der Gastroenterologie und hat nichts mit molekularer Wasserstofftherapie zu tun. Der Befund — dass Stress die Dünndarmpassage ähnlich wie körperliche Belastung beschleunigt — ist relevant für das Verständnis des Reizdarmsyndroms und funktioneller Darmstörungen.

Wichtige Zitate

  1. „Stress erzeugte eine statistisch und klinisch signifikante Verkürzung der mittleren Transitzeit von 79 auf 55 Minuten.“ Original (EN): „Stress produced a statistically and clinically significant reduction in mean transit time, from 79 to 55 minutes.“ — Ausmaß des Stresseffekts auf die Darmmotilität
  2. „Das Ausmaß der stressinduzierten Verkürzung der Dünndarmpassagezeit war signifikant mit dem Wechsel eines Index der kardialen Sympathikusaktivität, der Pulstransitzeit, korreliert.“ Original (EN): „The magnitude of stress-induced reduction in small bowel transit time was significantly correlated with change in an index of cardiac sympathetic activity, pulse transit time.“ — Sympathisches Nervensystem vermittelt die Darmreaktion
  3. „Ein prolongierter aktiver Bewältigungsstressor mit minimalen motorischen Anforderungen erzeugte eine Abnahme der Dünndarmpassagezeit, die mit jener aus mehreren Studien zu körperlicher Belastung vergleichbar war.“ Original (EN): „A prolonged active coping stressor with minimal motor requirements produced a decrease in small bowel transit time comparable with that observed in several studies of the effects of physical exercise.“ — Stresseffekt entspricht Trainingseffekt auf die Darmpassage

Unsere Einordnung

Wichtiger Hinweis: Diese Studie untersucht molekularen Wasserstoff (H₂) nicht als therapeutische Intervention. Atemwasserstoff wird als diagnostischer Tracer im Laktulose-Atemtest eingesetzt — eine standardmäßige gastroenterologische Methode zur Messung der Dünndarmpassagezeit. Das Studienthema ist psychosomatische Medizin und Darmmotilität. Das Design ist ein gut kontrolliertes Cross-over (n = 12, Intraindividualvergleich). Limitationen: kleine, rein männliche Studentenstichprobe, Labor-Stressor generalisiert möglicherweise nicht, Einzelsitzungsdesign. Nicht relevant für H₂-Therapie.

Studiendesign

Abstract (deutsche Übersetzung)

ZIEL: Untersuchung des Effekts eines prolongierten aktiven Bewältigungsstressors auf den Transit einer Substanz vom Mund durch den Dünndarm bei gesunden Probanden. METHODE: Zwölf gesunde männliche Studenten erhielten 10 g Laktulose (ein nicht resorbierbares Kohlenhydrat) in zwei experimentellen Sitzungen. Bei normalen Personen produziert Laktulose Wasserstoffgas, wenn es Bakterien im Dickdarm ausgesetzt wird. Wiederholte Messungen des Atemwasserstoffs wurden über 2 Stunden vorgenommen. In einer Sitzung ruhten die Probanden 2 Stunden. In der anderen, gegenbalancierten Sitzung vermieden die Probanden leichte Elektroschocks durch Videospielen während der ersten Stunde. ERGEBNISSE: Stress erzeugte eine statistisch und klinisch signifikante Verkürzung der mittleren Transitzeit von 79 auf 55 Minuten. Das Ausmaß der stressinduzierten Verkürzung der Dünndarmpassagezeit war signifikant mit dem Wechsel eines Index der kardialen Sympathikusaktivität, der Pulstransitzeit, korreliert. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Ein prolongierter aktiver Bewältigungsstressor mit minimalen motorischen Anforderungen erzeugte eine Abnahme der Dünndarmpassagezeit, die mit jener aus mehreren Studien zu körperlicher Belastung und in Vergleichen zwischen gesunden Kontrollen und Patienten mit dem Durchfall-prädominanten Reizdarm-Syndrom vergleichbar war.
Original-Abstract (englisch)
OBJECTIVE: To examine the effect of a prolonged active coping stressor on the transit of a substance from the mouth through small intestine in normal human volunteers. METHOD: Twelve healthy undergraduate males were administered 10 g of the nonabsorbable carbohydrate lactulose in two experimental sessions. In normal individuals, lactulose produces hydrogen gas upon exposure to bacteria residing in the colon. Repeated measurements of breath hydrogen were obtained for 2 hours. In one session, subjects rested quietly for the 2-hour period. In the other counterbalanced session, subjects avoided mild electric shocks by playing videogames for the first hour. RESULTS: Stress produced a statistically and clinically significant reduction in mean transit time, from 79 to 55 minutes. The magnitude of stress-induced reduction in small bowel transit time was significantly correlated with change in an index of cardiac sympathetic activity, pulse transit time. CONCLUSIONS: A prolonged active coping stressor with minimal motor requirements produced a decrease in small bowel transit time comparable with that observed in several studies of the effects of physical exercise and in comparisons between normal controls and patients with diarrhea-predominant irritable bowel syndrome.

Quelle & Links

Screenshot der PubMed-Seite

Screenshot — PubMed 9492232

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